
Viele Puzzleteile ersetzen Torf
Torfreduktion ist eine klare Sache. Interessante Weiterentwicklungen bei Erden und Substraten, spannende Ausgangsmaterialien und Zuschlagstoffe zeigten Aussteller auf der Internationalen Pflanzenmesse IPM Essen.
von Dr. Gisela Fischer-Klüver, Hannover erschienen am 06.02.2026Der Substrathersteller Gramoflor hat sich mit den beiden Umweltverbänden Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Umweltforum Osnabrücker Land (UFO), die einen bereits 2024 genehmigten Torfabbau im niedersächsischen Campemoor juristisch verhindern wollten, auf einen als wegweisend angesehenen Kompromiss geeinigt. Ausgangspunkt des Dialogs war die Einigkeit darüber, dass eine Hochmoorentwicklung auf den bislang stets CO2-emittierenden, landwirtschaftlich genutzten Moorflächen möglichst zeitnah erfolgen sollte – und dass die Sicherung verantwortungsvoll gewonnener und möglichst regionaler Rohstoffe für den professionellen Gartenbau notwendig ist.
Auf 45 ha erfolgt weiterhin die Torfgewinnung im Gramoflor-eigenen Ober-Unterfeld-Verfahren und nach dem sogenannten NABU-IVG-Konzept. Auf mindestens 30 ha erfolgt eine sogenannte Moorrandsanierung. Auf dieser Fläche wird ausschließlich der landwirtschaftlich vorgenutzte Oberboden abgetragen, um ideale Voraussetzungen für eine Hochmoorentwicklung zu schaffen. Auf einer Restfläche, die sich aus dem NABU-IVG-Konzept ergibt, erfolgt eine zusätzliche Klimakompensation.

Josef Gramann, geschäftsführender Gesellschafter von Gramoflor, fasst es so zusammen: „Jedem Hektar Torfgewinnungsfläche steht ein Hektar Moorsanierungsfläche gegenüber, und am Ende wird dann auf der gesamten Fläche ein lebendes CO2-speicherndes Hochmoor entstehen – ein beispielhaftes Vorzeigeprojekt für eine realistische Hochmoorentwicklung.“
Neben dem beispielhaften Projekt mit den beiden NGOs BUND und UFO zur Moorsanierung besteht bereits ein größeres Moorsanierungsprojekt auf einer Fläche von 195 ha zusammen mit dem NABU. Ein zusätzlicher Moorkauf liegt zeitlich vor dem Landtagsbeschluss, sodass die Abbaugenehmigung nicht zurückgenommen werden konnte. Für die nächsten zehn Jahre verfügt Gramoflor somit über ausreichende Mengen des am Markt wichtiger werdenden Schwarztorfs, der sich aufgrund seiner guten Wasserhaltekraft ideal mit den gängigen Torfersatzstoffen wie Holzfaser, Kokos und Substratkompost kombinieren lässt.
Im Januar 2026 wurde ein Audit zur Horticert-Rezertifizierung erfolgreich durchgeführt, sodass Gramoflor weiterhin nachweislich höchste Nachhaltigkeitsstandards erfüllt. Innovationen und Investitionen sichern die Zukunft des Unternehmens. So wurde beispielsweise das Produktionswerk in Vechta kürzlich über mehrere Monate aufwendig umgebaut und modernisiert. Ergebnis ist ein deutlich effizienterer Produktionsprozess. Kunden werden dadurch schneller, leistungsfähiger und flexibler beliefert.
Qualitätskompost ausreichend vorhanden
Seit 2023 gehört das Erdenwerk Kleeschulte Erden zur Remondis-Tochter Reterra West, dem Spezialisten für organische Rohstoffe. „Durch diese Übernahme verfügen wir neben unserer eigenen Holzfaser und dem eigenen Rindenhumus über den dritten wichtigen Rohstoff Kompost“, sagte Vertriebsleiter Jens Brune und betonte, wie wichtig es sei, die Hauptrohstoffe im eigenen Haus zu haben. Qualitätskompost ist damit ausreichend vorhanden. Aktuell bestehen die Kleeschulte-Substrate im Mittel aus 91 % Torfersatz.
Die neue superfeine Holzfaser Topora exklusiv verspricht Vorteile für Vermehrungssubstrate und Presstopferden. Neben grober, feiner, bio und wasserspeichernder Aqua-Holzfaser ist Topora exklusiv die fünfte Holzfaser von Kleeschulte. Der Rohstoff Holz stammt weiterhin ausschließlich aus Restholz regionaler Sägewerke.
Das neue „Moorbeet-Substrat torffrei“ für viele Azerca- und andere Moorbeetkulturen mit stabilem pH-Wert von 4,1 bis 4,5 sei erstmals eine leistungsfähige Alternative zu herkömmlichen torfhaltigen Moorbeet-Substraten. Es besteht überwiegend aus regionalen Rohstoffen, überzeugt durch einen verbesserten Luft- und Wasserhaushalt, durch seine Stabilität und sei Ergebnis einer langjährigen Entwicklungsarbeit gemeinsam mit Gartenbaubetrieben.
Für Aussaaten und die Jungpflanzenproduktion präsentiert Kleeschulte zwei torffreie, zu 100 % aus eigenen, regionalen Rohstoffen hergestellte Substrate. Das neue „Kleeschulte Profi Vermehrungssubstrat torffrei“ besitzt eine feine, exakt abgestimmte Struktur für Pikierarbeiten und die Weiterkultur von Jungpflanzen. Die Variante „Vermehrungssubstrat torffrei plus“ weist darüber hinaus eine noch feinere Struktur für Aussaat- und Multitopfplatten auf und enthält zusätzlich Perlite für einen optimalen Luft- und Wasserhaushalt. Eine mögliche Nutzung als Paper-Pot-Substrat wird aktuell in der Praxis erprobt.
Zuverlässigkeit und Planungssicherheit
Die kommende Gartenbausaison wird durch insgesamt niedrige Torfgewinnungsmengen und daraus resultierende Engpässe in der Rohstoffverfügbarkeit geprägt. Klasmann-Deilmann bleibt lieferfähig durch gezielte Bevorratung, dezentrale Beschaffung und langjährige Partnerschaften mit zuverlässigen Rohstofflieferanten, denn Zuverlässigkeit und Planungssicherheit sind für die Kunden von entscheidender Bedeutung.
Das Advanced-Substratsortiment für torfreduzierte und torffreie Substrate kombiniert nachwachsende Rohstoffe wie GreenFibre-Holzfasern, TerrAktiv-Grünkompost und Kokos. Die neue Pflanzenkohle TerraCoal verbessert den Wasserhaushalt, die Luftkapazität und die Nährstoffpufferung – und verbessert gleichzeitig die CO2-Bilanz des Substrats.
Der Rohstoff Sphaxx ist reinstes Sphagnum-Moos aus kontrolliertem Anbau und eignet sich perfekt für die Vermehrung. Der hochwertige Rohstoff bietet alle Vorteile der Sphagnum-Moose bei gleichzeitig sicherer Herkunft aus nachhaltigem, kontrolliertem Anbau und gewährleistet zuverlässige Qualitäten, gleichbleibende Strukturen und hygienische Sicherheit. Auf der IPM Essen erhielt Klasmann-Deilmann das erste RHP-Zertifikat für Sphagnum als nachwachsenden Rohstoff. Im Vorfeld musste RHP zunächst die Anforderungen an Sphagnum ausarbeiten und durch den technischen Ausschuss genehmigen lassen, bevor die erforderlichen Untersuchungen und Kontrollen an dem neuen Produkt durchgeführt werden konnten.
Die weiterentwickelten Growcoons sind kompatibel für die Automatisierung und biologisch abbaubar. Die neue braune Farbe fügt sich unauffälliger in den Wurzelballen ein, wodurch die Sichtbarkeit der Wurzeln sowohl bei der manuellen Inspektion als auch bei kamerabasierten Systemen verbessert wird.
Checkliste erstellt
Die Saison 2026 bringt für viele Betriebe Änderungen, denn Torf steht nicht mehr in den gewohnten Mengen zur Verfügung. „Die gute Nachricht: Das Arbeiten mit torfreduzierten Substraten ist kein nennenswertes Risiko, wenn man sich auf die veränderten Eigenschaften einstellt“, so Tobias Jäger, Vertriebsleitung Produktionsgartenbau bei Stender. Das Unternehmen bietet eine kompakte Checkliste mit den drei wesentlichen Stellschrauben Bewässerung, Düngung und pH-Wert sowie Sackung an.
Torfsubstitute haben im Vergleich zu Torf ein geringeres Wasserhaltevermögen. Das bedeutet nicht mehr Aufwand, sondern eine bewusstere Steuerung. Etwas häufigere Bewässerung und ein kritischer Blick auf bestehende Bewässerungsintervalle sind entscheidend, insbesondere bei Tischbewässerung.
Torfreduzierte Substrate erfordern eine angepasste Stickstoffstrategie. Ein N-Ausgleich in der Rezeptur, eine N-betonte Düngung während der Kultur und regelmäßige Substratanalysen helfen dabei, pH-Wert und N-Verfügbarkeit sicher im Griff zu behalten.
Durch luftigere Ausgangsstoffe kann es zu stärkerer Sackung kommen. Der gezielte Einsatz schwererer Volumenstoffe wie Kompost oder Rindenhumus wirkt dem entgegen. Zusätzlich spielt die kulturabhängige Durchwurzelungsgeschwindigkeit eine wichtige Rolle.
Stender bietet eine Substratberatung an, die unter https://www.profisubstrate.de/torfersatz/beratung vereinbart werden kann.
Wichtig sind die Substratstrukturen
„Torffrei ist geschafft, jetzt geht es um die Verfeinerungen“, erklärte Christian Günther für Patzer Erden. Klassische Einheitserden gibt es nach wie vor. Früher bestanden diese aus Torf und Ton, heute aus Torf und Mischungen aus Ton plus Holzfaser, dem Lignaton. Im Mittel beinhalten die Substrate bereits 70 % Torfersatz. Die „high five“-Substratstoffe sind Holz, Rinde, Kompost, Naturton und Torf. Sie bilden die Grundlage der Substratproduktion. Kokos wird zwar auch genutzt, allerdings nur zu einem kleinen Teil, da über den Transportweg die Zuverlässigkeit nicht ausreichend gegeben ist und Kokos außerdem teuer ist.
Die blaue Substratlinie beinhaltet mindestens 50 % Torfersatz, die rote mindestens 70 % bis hin zu 100 %. Speziell für den Bio-Anbau steht die FiBL-gelistete grüne Linie mit höchstens 30 % Torfanteil, teils sogar torffrei.
Patzer verfügt mittlerweile über vier Holzfaseranlagen; einmal ist eine Siebanlage nachgeschaltet. Vergangenes Jahr wurde in eine Rindenhumus-Aufbereitung investiert, mit der unterschiedliche Fraktionen darstellbar sind. Das heute kaum noch aus dem Kohleabbau als Reststoff anfallende Xylit wurde durch Rindenhumus ersetzt.
Neu ist ein torffreies Topfsubstrat mit grober Struktur, das eine ausgewogene Wasserhaltefähigkeit und hohe Luftporosität bietet. Für Baumschulen ergänzt ein Containersubstrat mit 70 % Torfersatz das Angebot und bildet eine praxisnahe Zwischenstufe zwischen bestehenden torfreduzierten und torffreien Varianten.
Die Eigenschaften sind entscheidend
„Es geht weniger um die genauen Inhaltsstoffe, sondern um die Kommunikation der Substrateigenschaften“, sagte Johann van Gelderen, Kekkilä-BVB Substrates. Nach dem Motto „Bring Performance to Life“ will das Unternehmen weniger die einzelnen Inhaltsstoffe der Substrate in den Fokus stellen, da es auf die Substrateigenschaften insgesamt ankommt. Beispielsweise gibt es ein Sommer- und ein Wintersubstrat für Zierpflanzen, das sich unter anderem in der Wasseraufnahme unterscheidet.
Substrat recyceln
Van der Knaap verkauft viele kokoshaltige Substrate an Erdbeerproduzenten. Um eine höhere Nachhaltigkeit zu erreichen, wird das alte, ausgediente Substrat mittels Tunnelkompostierung bei 70 °C für 100 h kompostiert und ausgesiebt, um einen erneuerbaren Rohstoff zu produzieren. Dieses recycelte Substrat, genannt Green Soil, mit einem pH-Wert von etwa 7 und einem EC-Wert von 1,5 ist zu 20 bis 30 % in neue Substrate einmischbar. „Damit verfügen wir über ein weiteres Puzzleteil, um Torf zu reduzieren“, sagte Aldert Keessen.

Van der Knaap führt viele Versuche auch mit der Versuchsanstalt in Straelen durch. Dabei geht es immer um sinnvolle Lösungen, die sich auch unter kommerziellen Gesichtspunkten einsetzen lassen. Im Angebot sind keine Standardsubstrate; jeder Kunde erhält eine individuell zugeschnittene Rezeptur. „Daher haben wir auch keine Lagerware“, so Keessen. Wer heute bestellt, bekommt das lose Substrat innerhalb von 24 h geliefert. Big Bales oder andere Verpackungsformen benötigen etwas mehr Zeit.
Witterung fördert Torfersatz
Vergangenen Oktober übernahm das dänische, bereits 1905 gegründete Unternehmen Pindstrup das in Lettland beheimatete Unternehmen Compaqpeat und vergrößerte damit sein Portfolio. Gute Kulturerfahrungen liegen mit einem Substrat aus jeweils 50 % Torf und Holzfaser vor, berichtete Frank Kuijpers.
Für Callunen sei ein Substrat aus 70 % Weißtorf 7 bis 20 mm und 30 % Holzfaser plus Spurenelementen und – je nach Gießwasserqualität – einem pH-Wert von 3,8 bis 4,0 geeignet.
Aufgrund der wetterbedingt schlechten Torfernte im Baltikum ist der Anteil der Torfersatzstoffe mittlerweile auf 30 bis 35 % gestiegen, berichtete Kuijpers.
Rekyva aus Litauen bietet verschiedene Substrate mit Holzfaseranteil eigener Herstellung. Aufgrund der wetterbedingt schlechten Torfernte im Baltikum setzt das Unternehmen auf einen höheren Holzfaseranteil.
Auf einen Blick
„Der komplette Profi-Substratbereich wird relauncht“, berichtete Marc Heeren, Vertriebsleiter DACH bei Floragard. Die Bezeichnungen sollen ab 2027 eine bessere Übersicht bringen. Alle Profisubstrate heißen Floradur. Das folgende Kürzel D steht für deutsche, das Kürzel B für baltische Herkunft. Es folgen weitere Kürzel wie S (Standardsubstrat) oder V, das für variabel steht. V-Substrate lassen sich kundenindividuell in Bezug auf pH-Wert, Düngung und Verpackung anpassen, wobei die Grundstruktur festgelegt ist. Es folgen unter anderem die Kürzel V/W oder PT, die für Vermehrungs-, Weiterkultur- oder Presstopfsubstrate stehen. Es hört sich kompliziert an, soll am Ende jedoch zu einer Vereinfachung der aktuell über 200 Grundrezepturen bei Floragard sorgen. Auf einen Blick sollen Substratart und -verwendung erkennbar sein.

Je höher der Torfersatz, desto mehr Substratalternativen sind enthalten. „Wir starten immer mit Holzfaser, es folgen Miscanthus, Kompost, Rindenhumus und Kokos im Treppensystem“, erklärte Heeren. Neben Holzfaser soll jede torfreduzierte Mischung Miscanthus enthalten. Beide Ausgangsstoffe werden eigens hergestellt, sodass Qualität und Verfügbarkeit sicher gegeben sind.
Da Floragard viel Presstopferden herstellt, liegt der mittlere Torfersatzanteil bei 28,3 % und damit unter dem deutschen Branchendurchschnitt.
Torffrei aus der Eifel
Aus dem Hobbysubstratbereich kommend bietet Eifel-Holz über DHG vertriebene Profisubstrate ausschließlich torffrei an. Größter Absatzmarkt ist Deutschland, das Produktionswerk liegt in Belgien. Die drei wichtigsten Rohstoffe sind kompostierter Grünschnitt, Rindenhumus und Holzfaser. Durch die eigene Herstellung lässt sich die Produktion optimal steuern – anders beim Rohstoffzukauf, betonte Manuel Brey, der für Beratung und Vertrieb zuständig ist und die Entwicklung mitbetreut. Immer wieder werden Anbauversuche zusammen mit Produzenten durchgeführt, auch für Callunen.
Sehr gut bewährt habe sich das Vermehrungssubstrat ETF5a fast ohne Kompost. Das Callunen-Vermehrungssubstrat ETF5c befindet sich in der Testphase. ETF4 mit pH 3,9 bis 4,0 hat sich gut als Kultursubstrat für Moorbeetpflanzen bewährt.
Teils verfügen die Substrate bereits über eine Horticert-Zertifizierung; möglich wäre diese für das Gesamtsortiment, so Brey.
Aufbereitete Gärreste
Aufbereitete Gärreste sollen der Torfersatzstoff schlechthin bei Hawita werden – „ein Gamechanger“, berichtete Ulrich Schick. Dieser lokal zur Verfügung stehende Rohstoff besitzt ideale Eigenschaften und steht potenziell in großen Mengen zur Verfügung. Durch das angewendete Stripping-Verfahren werden überschüssige Nährstoffe abgeführt und hohe pH-Werte auf unter 4 reguliert, um einen dem Torf recht ähnlichen Ausgangsstoff zu schaffen, der leicht nach Waldboden riecht. Ein Torfersatz von 30 bis 50 %, teils bis 100 % sei gut möglich für gartenbauliche Kulturen. In Deutschland fallen rund 8 Mio. m³ Gärreste an, was dem nationalen Torfverbrauch etwa entspricht. Ausgangsstoff und technische Lösung sind also vorhanden. Noch fehlt der rechtliche Rahmen für die Deklaration aufbereiteter Gärreste.

Das bereits etablierte hochwertige Cocopeat steht dem Erden- und Substrathersteller selbst bei steigendem Bedarf in den kommenden Jahren in ausreichender Menge zur Verfügung. Denn über die Tochterfirma Copertiz verfügt die Group DC über eigene Rohstoffe und eine eigene Aufbereitung. Bereits im Oktober 2024 erhielt Copertiz als einer der ersten Anbieter das Horticert-Zertifikat. Produziert wird auch nach den Regeln des RHP-Gütezeichens.
Aus Weide und Gras
Aus Weide und Gras stellt das dänische Unternehmen Ny Vraa, ein ursprünglich landwirtschaftlicher Betrieb, Substrate für den Gartenbau her. Gras wird mit etwa dreijährigem Weideholz aus Anpflanzungen gemischt, kompostiert, zerkleinert beziehungsweise geschreddert und nach Größe sortiert. Sechs bis acht Monate dauert die Herstellung des Substrats, dem entsprechend der Verwendung Dünger zugesetzt werden kann. Die Substrate werden an Hobby- und Profigärtner verkauft. „Unser größter dänischer Kunde, gleichzeitig der größte Kräuterproduzent in Nordeuropa, produziert mit unserem Substrat 500.000 bis 600.000 Kräuterpflanzen pro Woche“, berichtete Henrik Bach. Der pH-Wert des Substrats liegt bei 6,8 bis 7,2, der EC-Wert bei etwa 1,0. Das 100 % torffreie Substrat ist derzeit etwa 20 % teurer als herkömmliche Torfsubstrate.

Erhältlich sind verschiedene Mischungen, die sich im Gras-Weide-Verhältnis, der Nährstoffzugabe und der Siebung unterscheiden. Das HB2F-Substrat enthält einen Anteil von Saubohnen als Dünger. Das Green Substrat aus gewaschenen Gärresten ist zertifiziert für die Pflanzenproduktion und den Export.
Wasser, Gel und Zuckerrohr
Der neue, substratfreie Jungpflanzenplug von Jiffy besteht aus Wasser, einem Biopulver und Gel. Der aus einem Hydrogel bestehende Jiffy Gel ist eine Alternative zu anderen torffreien Anzuchtsystemen, benötigt wenig Ausgangsmaterial, ist biologisch abbaubar und wird als „Gamechanger“ beschrieben.
Jiffy stellt außerdem ein neues Substrat aus Zuckerrohr her, das gut in Mischung mit Kokos verwendet werden kann.
Wasserhaltekapazität verbessern
Torfersatz erfordert in der Regel einen höheren Gießaufwand. Perligran Hydro ist eine feine, 0 bis 1 mm kleine Perliteform, die 40 Vol.-% frei pflanzenverfügbares Wasser aufnehmen kann, erklärte Dirk Mühlenweg, Knauf Performance Materials. 100 mg Perligran Hydro kann 40 mg Wasser aufnehmen – das entspricht in etwa dem Wert von Weißtorf. Durch Zumischung von 20 bis 30 % Perligran Hydro zu torfreduziertem Substrat ergibt sich ein Substrat mit gleicher Wasserhaltekapazität wie Torfsubstrate.
Durch die effizientere Herstellungsmethode ist Perligran Hydro etwa ein Drittel preiswerter als Perlite.

Angebot und Nachfrage für torfreduzierte Substrate nehmen zu, und Gärtner benötigen Lösungen, die eine sichere Nährstoffversorgung, stabile Kulturbedingungen und hohe Effizienz gewährleisten. ICL bietet in einer neuen, umfassenden Fachbroschüre zu Düngung und Wassermanagement für torfreduzierte und torffreie Substrate auf über 50 Seiten praxisnahe Einblicke, wie Nährstoffversorgung und Wasserhaushalt optimal abgestimmt werden können. Die Broschüre „Sicheres Kultivieren in neuen Substraten“ lässt sich über die Webseite www.icl-growingsolutions.de beziehen.
Terra Preta heißt auf Portugiesisch „Schwarze Erde“ und bezeichnet einen fruchtbaren, tiefschwarzen Boden im Amazonasgebiet. Im Zusammenhang mit der geforderten Torfreduktion gewinnt die Idee der schwarzen Erde auch für die hiesige Pflanzenproduktion an Bedeutung, und sogenannte „Terra-Preta“-Substrate mit Zusätzen von Pflanzenkohle werden angeboten. Pflanzenkohle ist eine durch Erhitzung unter Sauerstoffabschluss (Pyrolyse) hergestellte poröse Kohle aus Biomasse. Sie speichert Nährstoffe und pflanzenverfügbares Wasser wie ein Schwamm. Zusätzlich bindet sie klimaschädliches CO2.
CO2-Kompensation mit Pflanzenkohle
Die Produktion von Pflanzenkohle entzieht der Atmosphäre klimaschädliches CO2. Damit ist die von Klasmann-Deilmann im Pyrolyseverfahren aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnene Pflanzenkohle TerraCoal eine wertvolle Kohlenstoffsenke, die als Substratbestandteil Vorteile bringt. Sie nimmt aufgrund ihrer porösen Struktur Wasser und Nährstoffe wie ein Schwamm auf und gibt beides langsam an die Pflanze wieder ab. TerraCoal sorgt für Strukturstabilität, erhöht die Luftkapazität und unterstützt die mikrobiologische Aktivität.
Den Substraten von Klasmann-Deilmann kann exakt so viel Pflanzenkohle beigemischt werden, dass die Emissionen aller weiteren Komponenten kompensiert werden und eine weitestgehende Klimaneutralität erreicht wird. Werden die Pflanzen in den Boden ausgepflanzt, wird TerraCoal als dauerhafter Kohlenstoffspeicher anerkannt. Wird das Substrat mit den Pflanzenresten als Grünschnitt oder über die Biotonne entsorgt, bleibt die Pflanzenkohle ebenso als langfristiger CO2-Speicher bestehen.
„Wir sind in der Lage, Zertifikate zu erstellen, die in der Handelskette genutzt werden können, um einen Nachweis für die CO2-Reduktion zu erbringen“, erklärte Hermann Konnemann, Klasmann-Deilmann. Diese Möglichkeit wird als Service über ein Datenbanksystem angeboten, sodass Substratkunden es für sich nutzen können. Zierpflanzen, kultiviert in mit TerraCoal angereicherten Substraten, können so mit einem CO2-Zertifikat geliefert werden und transparente Nachhaltigkeitsprofile für den Einzelhandel schaffen.
Vorbild Ur-Terra Preta
Bionero aus Oberfranken produziert Terra-Preta-Erde nach dem Vorbild der Ur-Terra Preta aus dem Ursprungsgebiet, allerdings mit heimischen Rohstoffen wie unbehandelten Holzresten sowie Abfällen aus Zimmereien und Sägewerken. In einem Pyrolysereaktor entsteht reine Pflanzenkohle in medizinischer Qualität. Dieser wird Grünschnittkompost beigesetzt und alles zusammen vier bis sechs Monate kompostiert. Dabei reift die Pflanzenkohle zu Ur-Terra Preta und wird mit Nährstoffen aus dem Kompost aufgeladen; es entsteht die sogenannte Basiserde, die je nach Verwendungszweck mit speziellen Zuschlagstoffen gemischt wird. In jeder Erde sind etwa 10 bis 15 % reine Kohle enthalten. Terra Preta speichert Wasser und Nährstoffe und soll einen herausragenden Lebensraum für Mikroorganismen bieten.
Da durch die CO2-Bindung eine CO2-Senke entsteht, verkauft Bionero CO2-Zertifikate als weiteren Geschäftsbereich. Alternativ kann auch der das Substrat verwendende Pflanzenproduzent die Zertifikate erwerben und seine Pflanzen als CO2-arm bewerben.
Schwarze Erde im Dünger
„Die Pflanzenkohle wird unter Luftabschluss fermentiert und anschließend zu 20 bis 60 % dem Substrat beigemischt oder bei Baumpflanzungen in den Boden, ins Pflanzloch, gegeben“, berichtete Anastasia Wagner, Knapkon. Verwendet wird ausschließlich zertifiziertes Holz aus deutscher Waldwirtschaft; die Pflanzenkohle und die daraus hergestellten Produkte sind FiBL-registriert, also für den Bio-Anbau zugelassen.
Die CO2-Zertifikate für das in der Pflanzenkohle gespeicherte CO2 helfen, den Produktpreis zu senken. Alternativ kann auch hier der Pflanzenproduzent die Zertifikate erwerben und für sich nutzen. Die Kohle bleibt weitgehend bestehen, wirkt als Schwamm und Nährstoffspeicher, und Mikroorganismen siedeln sich gern an.
Knapkon stellt zudem verschiedene Dünger her, zum Beispiel Carbon Vital + NPK Spezial mit 20 % Terra Preta und verschiedenen organischen Rohstoffen.
So punkten die Pflanzen auch später beim Verbraucher
Damit Hochbeete und Rabatte mit kräftigen Pflanzen begeistern, benötigen sie im Frühjahr einen Nährstoffkick. Wer nicht auf klassischen Dünger setzen möchte, findet im Ricoter Pflanzenbooster von Ricoter Erdaufbereitung eine Alternative – nachhaltig, wirkungsvoll und einfach in der Anwendung. Die Basis bildet wertvolle Urerde, die mit Pflanzenkohle kompostiert und mit natürlichen Stärkungsmitteln der Marke Multikraft angereichert wurde.
Weniger Gewicht, weniger Volumen
Der Affe steht für Neugier, Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit. „Genau diese Eigenschaften treiben uns an. Wie ein Affe, der geschickt neue Wege findet, schlagen auch wir innovative Pfade ein“, sagte Lukas Bürger, Technische Leitung des Waldaffen-Teams.
Die österreichische Firma Waldaffe bietet Quellerde in Pelletform, eine patentierte Weltneuheit. Die Pellets werden aus ganz unterschiedlichen Materialien hergestellt, zum Beispiel aus Grünschnitt oder Kaffeekompost, und je nach späterem Bedarf unterschiedlich zusammengemischt. Die trockenen Pellets lassen sich sogar mit Mikroorganismen anreichern; die trockenen Mischungen sind nahezu unbegrenzt haltbar. Vor der Verwendung als Substrat wird Wasser zugegeben, damit sie auf das Drei- bis Vierfache ihres Volumens aufquellen. Dank der speziellen Komprimierung erreicht eine 4,6-kg-Packung ein Erdvolumen von 20 l, sobald sie mit Wasser gemischt wird.
2Die Pellets haben bis zu 50 % weniger Gewicht und drei- bis viermal weniger Volumen im Vergleich zu herkömmlichen Substraten, was sich in deutlich geringeren Transportkosten auswirkt. Übrigens sind weder Torf noch Kokos in den Mischungen enthalten. Eine gute Nachverfolgbarkeit ist laut Bürger durch die exakt dokumentierte Mischung und die Einzelkomponenten gegeben.
Derzeit werden etwa 10.000 t Pellets in einer Versuchsanlage in Österreich hergestellt. Unter anderem ist der größte private Waldbesitzer Österreichs finanziell an dem Unternehmen Waldaffe beteiligt. Aufgebaut werden soll ein Geschäftsmodell, bei dem die entwickelte Technik inklusive der Mischanlagen anderen Erdenwerken gegen eine Lizenzgebühr zur Verfügung gestellt wird.






















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