Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
Erfahrungsbericht

Was taugen frühe Helleborus?

Die Bezeichnung „Schneerosen“ steht für zeitig im Jahr blühende Helleborus -Hybriden wie etwa die „HGC Ice N’ Roses“-Serie. Zu diesen gesellt sich nun eine weitere frühblühende Sortengruppe, ebenfalls gezüchtet im Hause Josef Heuger, Glandorf, weltweit als Züchterschmiede ein Begriff. Die neue „Lemperii“-Serie kam 2020 gleich mit mehreren Sorten in den Handel, die allesamt mit einem „L“ im Sortennamen beginnen.

Veröffentlicht am
Dieser Artikel ist in der erschienen.
PDF herunterladen
Artikel teilen:

Botanisch gesehen handelt es sich um Kreuzungen mit Beteiligung von Helleborus niger und Lenzrosen ( Helleborus × hybridus ), was wiederum zur Bezeichnung Helleborus × lemperii führte. Inspiriert durch den hervorragenden Eindruck, den die ersten dem Fachpublikum gezeigten Exponate anlässlich der IPM 2020 machten, führte der Autor im Herbst/Winter 2020/2021 einen Test mit fünf der Marktdebütanten durch.

Fünf neue Schneerosen im Test

Zur Begutachtung standen die Sorten ‘Liah’, ‘Lenia’, ‘Leona’, ‘Lisann’ und ‘Lulu’. Die kräftige Rohware wurde in Woche 39 (Ende September) aus dem 1,5- und 2,0-l-Topf in 30-cm- bis 35-cm-Töpfe als 2-er und 3-er-Tuffs eingetopft. Die Container wurden anschließend auf Gartensteinen im Freigelände aufgestellt. Mit einer besonders frühen Blüte, ab November, tat sich die cremeweiß blühende ‘Lisann’ hervor. Auch ‘Liah’ und ‘Lenia’ zeigten zu diesem Zeitpunkt bereits vereinzelte Blütentriebe über dem Laub. Völlig in grünem Zustand waren bis dato ‘Leona’ und ‘Lulu’. Da im Dezember und vor dem Fest Helleborus niger den Markt beherrscht, besitzt eine Verkaufsreife für die „Lemperii"-Sorten zu diesem Zeitpunkt noch keine Relevanz. Unbeeindruckt von trüben Wintertagen brachten die Pflanzen im weiteren Verlauf, unter relativ milden Temperaturen im hiesigen Weinbauklima, eine stattliche Anzahl an Blüten hervor. Selbst unter den Freilandbedingungen blühten bereits Anfang Februar alle Sorten, wenn auch unterschiedlich stark, immerhin aber so, dass das Stadium der Verkaufsreife erreicht war. ‘Lisann’ hatte zu diesem Zeitpunkt ihren Zenit bereits überschritten.

Plötzliche Eiseskälte setzte der Blütenschau ein jähes Ende. Helleborus gelten von jeher als besonders robust und hart im Nehmen. In milden Regionen erweisen sie sich sogar im Kübel und ohne besonderen Winterschutz als frostresistent. Was allerdings in der Woche 6/2021 an Kahlfrösten, folglich ohne schützende Schneedecke, über die Pflanzen hereinbrach, war selbst für die Hartgesottenen zu viel. Rund eine Woche fielen die Temperaturen in sternklaren Nächten auf 12 °C unter Null. Es kam zu starken, irreversiblen Frostschäden, nicht nur an den Blüten und Blütenstielen, sondern auch Blätter mit besonders exponierter Stellung wurden geschädigt. Damit war eine unter Verkaufsaspekten vorzunehmende Begutachtung nicht mehr weiter möglich. Dennoch lieferte der Praxistest erste Erkenntnisse über die Besonderheiten der neuen Sortengruppe.

Zur Charakteristik der neuen Serie

Die neuen interspezifischen Helleborus -Hybriden blühen nach dem Rohwarenbezug im Herbst vereinzelt bereits ab November/Dezember. Der Hauptabsatz beginnt jedoch im Januar und erreicht ab Anfang Februar seinen Höhepunkt. Damit liegt dieser etwa einen Monat früher als bei den „Ice N’ Roses"-Sorten, die nach wie vor als Maßstab anzusehen sind. Innerhalb der Sortengruppe fällt ‘Lisann’ durch ihre deutlich frühere Blüte und die längeren Blütenstiele aus dem Rahmen. Alle fünf am Praxistest beteiligten Sorten zeigten das für Hybriden typische robuste, sattgrün glänzende und dichtbuschige Laubwerk. Die großen Blüten stehen auf sehr kräftigen Stielen und erreichen je nach Sorte einen Durchmesser von 7 bis 10 cm. Im Vergleich zu der bekannten „Ice N’ Roses"-Serie dominieren hier die rosa Farbtöne. Insgesamt wächst die Serie nicht ganz so kräftig und zeigt auch bei extremen Frostbedingungen nicht ganz das robuste Naturell der „Ice N’ Roses"-Serie, insbesondere bei Pflanzen in Gefäßen.

Erstes Blütenhighlight

Gartencenter und Einzelhandelsgärtnereien können mit der neuen Helleborus -Kollektion die Attraktivität ihres Pflanzensortiments gleich in den ersten Monaten des Jahres steigern. Wichtig ist, dass die Verkaufsware gruppenweise präsentiert wird und gut mit Blütentrieben bestückt ist, von denen zumindest einige geöffnete Blüten zeigen sollten. Eine Wareninszenierung hilft in der Kundenberatung, auf die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten einzugehen.

Willkommene Anflugstationen

Die neue frühblühende Helleborus -Kollektion mit der im Moment noch nüchternen Bezeichnung „Lemperii-Serie", blüht etwa einen Monat früher als die „Ice N’ Roses"-Serie. Mit ihren großen, leuchtenden Blüten sind die Pflanzen bestens geeignet, mitten in der dunklen Jahreszeit auf Balkon, Terrasse, Treppenstufen und an Hauseingängen für die ersten blühenden Akzente zu sorgen. Eingepflanzt in nicht zu klein bemessene Töpfe, Kübel, Tröge oder Körbe, sind sie ersehnte Stimmungswecker nach einem langen Winter. Dies gelingt ihnen in Einzelstellung ebenso wie in Gemeinschaft mit Heuchera, Gräsern oder ersten Zwiebelblumen. Aber auch den Nektarsammlern wie Bienen und Hummeln, die an warmen Februartagen bereits ihre ersten Ausflüge unternehmen, dienen sie als willkommene Anflugstationen. Pflanzen in Gefäßen sind zwar durchaus frostverträglich, drohen allerdings mehrtägige Kahlfröste um minus 10 °C und darunter, so ist ein vorübergehendes Einräumen in eine Garage oder einen kühlen Kellerraum anzuraten. Zumindest aber sollten die Gefäße gut eingepackt und schattig, etwa vor eine schützende Hauswand, gestellt werden.

Norbert Elgnerist freiberuflicher Unternehmensberater für Marketing und Kommunikation. Seit 35 Jahren berät er Blumengeschäfte, Einzelhandelsgärtnereien sowie Gartencenter und Verbände, speziell im Bereich Vermarktung von Blumen und Pflanzen. Er bietet Einzel- und Gruppenberatungen an sowie die Verbesserung der Mitarbeiterqualifikation durch Personalschulungen.
0 Kommentare
Was denken Sie? Artikel kommentieren

Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.

Artikel kommentieren
Was denken Sie? Artikel kommentieren