
Trauer als Kulturgut
Mit einer österreichweiten Kampagne wollen österreichische Friedhofsgärtner, Floristen und Gärtner gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich ein Thema in den Mittelpunkt rücken, das oft im Verborgenen bleibt: Trauer als Teil unseres kulturellen und gesellschaftlichen Lebens.
von Blumenbüro Österreich erschienen am 01.05.2026„Unter dem Leitgedanken ‚Ein Ort des Gedenkens, der Erinnerung und Verbundenheit‘ lädt die Initiative dazu ein, bewusst über Abschied, Erinnerung und Rituale nachzudenken“, erklärt Johann Obendrauf, Präsident des Blumenbüros Österreich.
Im Zentrum der Kampagne stehen einfache, aber tiefgehende Fragen: Was bedeutet Trauer für dich? Was bedeutet Erinnerung für dich? Was bedeutet Gedenken für dich? Sie sollen Menschen dazu anregen, im Alltag innezuhalten und sich mit Verlust, Abschied und der Bedeutung von Ritualen auseinanderzusetzen.
„Die Kampagne versteht Trauer bewusst nicht als Tabuthema, sondern als grundlegenden Bestandteil unseres gesellschaftlichen Miteinanders“, so Friedhofsgärtner Thomas Hirschbeck aus Wien. „Ein würdevoller Abschied und ein respektvoller Umgang mit Trauernden sind Ausdruck kultureller Verantwortung und gelebter Menschlichkeit.“
Blumen und Rituale als Teil der Erinnerungskultur
Blumen und die florale Gestaltung von Gräbern spielen in der Trauerkultur seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle. Sie schaffen Orte der Ruhe, des Erinnerns und der Verbundenheit. Die Kampagne will deutlich machen, dass Grabpflege gelebte Erinnerung ist und florale Gestaltung ein Ausdruck von Liebe, Respekt und Wertschätzung sein kann. Gleichzeitig verbindet moderne Grabgestaltung Ästhetik, Würde und ökologische Verantwortung.
Zugleich hebt die Initiative hervor, welche Rolle Friedhofsgärtner, Floristen und Gärtner einnehmen. „Mit ihrer Arbeit gestalten sie Orte des Gedenkens und begleiten Menschen in sensiblen Lebensmomenten“, betont Johann Obendrauf. Grabpflege, florale Gestaltung und die Pflege von Friedhöfen sind dabei weit mehr als handwerkliche Tätigkeiten – sie sind Ausdruck von Liebe, Respekt und dauerhafter Erinnerung.
Der „Ort der Erinnerung“
Ein zentrales Element der Kampagne sind öffentlich zugängliche Aktionen, die Raum für Begegnung, Reflexion und Dialog schaffen. So entstand im April 2026 am Mariahilfer Platz in Graz ein symbolischer „Ort der Erinnerung“ – eine begehbare Installation mit einer zentralen Grabstelle in parkähnlicher Gestaltung. Sie lud Besucher dazu ein, innezuhalten, Gedanken zu teilen und sich über Trauer, Rituale und Abschied auszutauschen. Begleitet wurde die Veranstaltung von einer Trauerrednerin, psychologischer Betreuung sowie interaktiven Elementen.
Das „Herz der Erinnerung“
Einen weiteren Höhepunkt setzt die Aktion „Das Herz der Erinnerung“ im Rahmen der „Langen Nacht der Kirchen“ am 29. Mai 2026 in Linz. Dabei entsteht aus vielen einzelnen roten Rosen ein großes gemeinschaftliches Herz – ein Symbol für Liebe, Erinnerung und Verbundenheit. Besucher können persönliche Botschaften an Verstorbene auf Karten schreiben und diese gemeinsam mit einer Rose in die Installation stecken. Im Laufe des Abends entsteht so ein gemeinsames Kunstwerk des Erinnerns.
Das „Licht der Erinnerung“
Den Abschluss der Kampagne bildet die Gedenkaktion „Licht der Erinnerung“ rund um Allerseelen am 2. November. Menschen werden eingeladen, gemeinsam Kerzen zu entzünden oder Schwimmkerzen auf Gewässern treiben zu lassen. Das stille Zeichen soll verdeutlichen: Erinnerung verbindet, Natur kann Trost spenden, und das Licht des Gedenkens bleibt.
„Mit der Kampagne wollen Friedhofsgärtner, Floristen und Gärtner ein klares Signal setzen: Trauer ist Teil des Lebens – und Erinnerung ein wertvoller Bestandteil unserer Kultur. Orte des Gedenkens, florale Symbolik und gemeinschaftliche Rituale helfen dabei, Abschied zu verarbeiten und Verbundenheit über den Tod hinaus sichtbar zu machen“, so Johann Obendrauf abschließend.

Mit der Initiative „Ort der Erinnerung“ entstand im April 2026 mitten in Graz ein außergewöhnlicher Begegnungsraum, der sich einem Thema widmete, das oft im Verborgenen bleibt: dem Abschied. Vom 7. bis 10. April wurde der Mariahilfer Platz zu einem Ort der Stille, des Austauschs und der Reflexion – offen für alle Menschen, die innehalten, sich erinnern oder sich mit Fragen rund um Tod und Trauer auseinandersetzen wollten.
Im Zentrum der Aktion stand eine begehbare Installation, die den öffentlichen Raum nutzte, um das Thema Tod aus seiner gesellschaftlichen Tabuzone zu holen. Eine symbolische Grabstelle, eingebettet in eine parkähnliche Gestaltung mit Bäumen, Pflanzen und Sitzgelegenheiten, schuf eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlud. Besucher und Passanten waren eingeladen, ihre Gedanken, Erinnerungen oder Fragen auf Kärtchen festzuhalten und an einem zentralen „Baum der Erinnerung“ anzubringen.
Die Initiative verstand sich als niederschwelliges Angebot für alle Generationen. Die Fragen „Was bedeutet Trauer für dich?“, „Was bedeutet Erinnerung?“ und „Was bedeutet Gedenken?“ bildeten den emotionalen Kern und regten dazu an, sich mit Verlust und Verbundenheit auseinanderzusetzen.
Begleitet wurde die Veranstaltung von den Trauerrednern Albin Sampel und Lena Mileder sowie von psychologisch geschultem Fachpersonal, das für Gespräche zur Verfügung stand. Eine eigens gestaltete „Friedhofsbank“ bot Raum für persönliche Begegnungen und Unterstützung in schwierigen Momenten. Damit verband die Aktion individuelles Erleben mit gesellschaftlichem Dialog und schuf einen Ort, an dem Trauer sichtbar und teilbar wurde.
Neben der freien Nutzung des Erinnerungsortes erwartete die Besucher ein abwechslungsreiches Programm. Dazu zählten neben den Beiträgen der Trauerredner musikalische Elemente sowie Vorträge rund um Vorsorge, digitalen Nachlass und neue Formen des Gedenkens. Auch die Floristik war ein zentraler Bestandteil der Aktion: Die Floristin Petra Hütter fertigte vor Ort Kränze und Arrangements an und machte damit die Bedeutung von Blumen als Ausdruck von Erinnerung und Wertschätzung unmittelbar erlebbar. Zudem wirkte die Schauspielerin und Mezzosopranistin an der Oper Graz, Uschi Plautz, an der Veranstaltung mit.
Ein wesentliches Anliegen der Kampagne war es, die Bedeutung von Erinnerungskultur und Trauerritualen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Gleichzeitig wurde die Rolle von Friedhofsgärtnern, Floristen und Gärtnern als Träger dieser Kultur sichtbar gemacht. Ihre Arbeit verbindet Natur, Handwerk und Emotion und trägt wesentlich dazu bei, würdige Abschiede zu gestalten.
Weiterhin thematisierte die Initiative Fragen der Nachhaltigkeit und der bewussten Gestaltung von Abschied. Die verwendeten Materialien waren größtenteils wiederverwendbar oder umweltfreundlich, die Installation selbst war temporär und wurde nach der Veranstaltung rückgebaut. So entstand ein sensibler Umgang mit Ressourcen, der auch im Kontext von Trauer und Gedenken an Bedeutung gewinnt.















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