Das Podcast-Gespräch von Claudia Gölz mit Paul Baumann hätte keinen passenderen Zeitpunkt finden können: Vor kurzem fanden erstmals die von ihm initiierten Tilia Awards in Berlin statt (siehe Kasten) – und im Juli wird es die nächste URBAN UTOPIA Conference geben.
Das Gespräch der beiden im Podcast ist eine halbe Stunde lang – der folgende Interviewtext gibt nur etwa 5 Minuten davon wieder. Und natürlich kann er auch nicht die Atmosphäre des Podcasts wiedergeben. Deshalb ist dieser Beitrag insgesamt eine große Einladung, das aufgezeichnete Gespräch nachzuhören! Wer den lohnenden Podcast bisher nicht kannte, wird im Archiv darüber hinaus so manchen interessanten Gesprächspartner und so manches interessante Thema entdecken!
Der Podcast
CHLOROPHYLL - der Wirkstoff Grün
Der Podcast „CHLOROPHYLL - der Wirkstoff Grün" gibt Menschen eine Stimme, die das Thema Grün aus Berufung, Leidenschaft oder Wissenschaft prägen. Er geht Fragen nach wie: Was macht Natur mit uns? Welche Rolle spielen Pflanzen in Stadt, Gesellschaft und Alltag? Welche Perspektiven eröffnen sie für die Zukunft? Und: Wer sind die Köpfe hinter den Ideen, Produkten und Initiativen, die die grüne Branche gestalten?
Jeden Monat präsentiert der Podcast neue, spannende Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner und beleuchtet deren Geschichten, Visionen und Impulse für eine grünere Zukunft.
Entstanden ist Chlorophyll übrigens in Corona-Zeiten. Die Idee, echte Menschen mit echten Stimmen und grünen Themen hörbar zu machen, schien wünschenswert.
Produziert wird „CHLOROPHYLL - der Wirkstoff Grün" von der PR-Agentur NED.WORK, die sich auf das breite Spektrum der grünen Branche spezialisiert hat. NED.WORK steht für nachhaltige PR-Konzepte und Kampagnen und bespielt das gesamte Spektrum von klassischer Öffentlichkeitsarbeit bis Social Media.
Zur Person
Paul Baumann
ist Landschaftsgärtner, Musiker und Gründer der Urban Utopia in Berlin, einem wachsenden Netzwerk für Menschen, die sich professionell und persönlich mit Pflanzen und Begrünung bis hin zur Stadtentwicklung beschäftigen. Seine Utopie einer Stadt ist Grün: in, an und auf Gebäuden, aber eben auch dazwischen. Er träumt von einer besseren Verzahnung von Ökologie und Ökonomie und mehr Verständnis für Pflanzen und das, was sie für uns leisten.
Wie sieht Deine Utopie einer Stadt aus?
Paul Baumann: Sie ist auf jeden Fall grün mit vielen Pflanzen zwischen, aber auch an, in und auf den Gebäuden. Sie ist am Gemeinwohl orientiert, zeigt viele innovative Projekte, bei denen die Pflanze und die Verbindung des Menschen zur Pflanze auf jeden Fall eine ganz essentielle, elementare Rolle spielt.
Die Akteure der Urban Utopia Conference sind Co-Creators? Wer ist das?
Paul Baumann: Co-Creators sind sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Leidenschaften und Disziplinen. Unser Ansatz ist transdisziplinär und visionär. Wir möchten Projekten und Menschen, die mit Pflanzen arbeiten und gestalten, eine Sichtbarkeit geben. Dabei steht die Pflanze überall elementar im Zentrum. Drumherum sind dann verschiedene Fachbereiche, mit deren Wissen und Expertise wir dann einen echten Ort der Begegnung schaffen, an dem die Menschen miteinander in den Austausch gehen können. Hier wird Wissen geteilt, werden Netzwerke geknüpft, entstehen spannende Synergien und neue Ideen.
Ihr seid thematisch sehr breit aufgestellt vom Bio-Balkon mit Gemüse bis zum urbanen Grün, zur Fassadenbegrünung, zur Innenraumbegrünung, bis hin zu Zimmerpflanzen. Wie finden die Menschen zusammen?
Paul Baumann: Wir verstehen uns als Branchen-Netzwerk, das ist unser Anspruch, aber wir leisten uns auch emotional zu sein, wir verstehen uns als eine Plattform von und für Menschen, die Pflanzen lieben. Wir leben in Zeiten komplexer Herausforderungen, da tut der Blick über den Horizont in andere Disziplinen gut und es tut auch gut, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Als jemand, der sich in diesem grünen Feld schon länger bewegt und selbst ein sehr emotionales Verhältnis zu Pflanzen hat, stelle ich immer wieder fest, dass die Akteure der Pflanzenwirtschaft selbst selten emotional sind, was ihre Pflanzen betrifft. Wie wird auf eure Emotionalität reagiert?
Paul Baumann: Wir sind eben auch ein Experiment, aber die Resonanz auf unsere erste Konferenz im vergangenen Sommer in Berlin war sehr positiv, von verschiedensten Seiten.
Wie geht es in diesem Jahr weiter?
Paul Baumann: Bei Urban Utopia haben wir jetzt drei Säulen: die Urban Utopia Konferenz, den Pflanzenpreis Tilia Award und unsere Netzwerktreffen für unsere Community, zu denen wir außergewöhnliche Orte besuchen.
Was sind das für Orte?
Paul Baumann: Beispielsweise den Berliner Blumengroßmarkt morgens um 6 oder das Umweltministerium in Berlin oder den Teufelsberg im Grunewald, ein Trümmerberg aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Weg zum Naturschutzgebiet. Ich finde, es ist ein großes Privileg so arbeiten zu dürfen, wie wir es tun und dabei so viele grüne Projekte und so viele interessante Menschen kennen zu lernen.
Verdient ihr auch Geld?
Paul Baumann: Also ich lebe gerade wirklich wie ein Student. Wir hatten eine Startup-Förderung beim Impact Hub in Berlin, in einem Accelerator-Programm. Wir wollen wachsen, aber wir sind Freunde der Gemeinwohlökonomie, wir verstehen uns als Lern- und Erfahrungsort mit Pflanzen. Wir haben aber auch Raum für Literatur, Kunst, Musik und Philosophie und damit begegnen wir Menschen aus Baumschulen, Planungsbüros … und zeigen, wie alles mit uns verbunden ist. „Wir atmen ein, was Pflanzen ausatmen, wir atmen aus, was Pflanzen einatmen, wir atmen mit den Pflanzen“. Dieser Satz stammt aus der Keynote von Dr. Hildegart Kurt von unserer ersten Konferenz und der hat alle fasziniert, die dabei waren. Dabei kriege ich noch jetzt eine Gänsehaut.
Worum geht es bei den Tilia Awards?
Paul Baumann: Tilia steht botanisch für die Gattung der Linde und sie ist für uns das Symbol für Gemeinschaft, ein Baum des Zusammenkommens. Die Dorflinde war früher der Ort, an dem Entscheidungen getroffen wurden. Der Tilia Award hat 20 Kategorien, mit denen wir Anfang des Jahres wirklich 150 Einreichungen generiert haben, bei denen Pflanzen zentral stehen. Dort reichen auch Studierende akademische Arbeiten ein, es gibt gesellschaftlich und sozial relevante Projekte, Projekte, die dem Klimawandel begegnen. Alle haben einen Bezug zur Pflanze.
Wir bieten kein klassisches Award-Format, sondern geben den von der Jury ausgewählten Teilnehmern die Gelegenheit, ihr Wissen und ihr Projekt komprimiert in Pitches zu präsentieren. Die Preisverleihung ist eher der Anlass für Wissenstransfer und Netzwerkbildung. Die Teilnehmer sitzen mit der Jury in einem Raum und sind dabei, wenn die Projekte vorgestellt werden. Das dürfte eine sehr spannende Veranstaltung werden.
Es gehört zu den Ritualen dieses Podcasts, dass wir unseren Gästen gegen Ende drei Fragen stellen, mit der Bitte um spontane Antwort. Worauf bist du stolz?
Paul Baumann: Ich bin stolz, dass wir ein Team aufbauen, das, glaube ich, nachhaltig funktioniert. Das sich etwas bewegt, in Bildung kommt, sich entwickelt.
Wen würdest du gerne bei der nächsten Urban Utopia als Überraschungs- Stargast oder Keynote-Speaker auf der Bühne haben wollen?
Paul Baumann: Dadurch, dass ich ja Musiker bin, würde ich mir sehr wünschen, Helge Schneider zu haben. Helge Schneider ist, soweit ich das auf seiner Webseite gelesen habe, auch Landschaftsgärtner.
[Anmerkung der Redaktion: Kennt jemand Helge persönlich?]
Wenn Arbeit, Stress, Reisen, Verantwortung im Alltag überhandnehmen, bereust du es manchmal, dass du nicht doch Musiklehrer geworden bist?
Paul Baumann: Nein, die habe ich nicht. Aber es ist auch gut zu wissen, dass ich, wenn ich das möchte, da immer wieder zurückgehen kann. Ich glaube, da würde ich durchaus mit offenen Armen empfangen werden, aber gerade reitet mich eher das Abenteuer noch in eine andere Richtung.
So sehen glückliche Gewinner aus! Die ersten Tilia Awards in Berlin waren ein großer Erfolg. Die Liste aller Preisträger, Sponsoren und Förderer steht auf
www.tilia-awards.com
. © Urban Utopia
Premiere der Tilia Awards
24 ausgezeichnete Pflanzen-Projekte
Mit den ersten Tilia Awards hat ein neues Format für herausragende Pflanzenprojekte erfolgreich Premiere gefeiert. An der Quadriga Hochschule in Berlin kamen zum Frühlingsanfang am 20. März 2026 rund 200 Experten, Kreative und Innovatoren aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um Lösungen für zentrale Herausforderungen unserer Zeit zu präsentieren. Im Mittelpunkt aller Projekte: Pflanzen!
Im Rahmen eines Pitch Days präsentierten sich 59 Projekte in 24 Kategorien. Die Bandbreite reichte von urbaner Klimaanpassung über soziale Gartenprojekte bis hin zu künstlerischen Arbeiten. Im Vorfeld hatte es über 150 Einreichungen gegeben. Für den Initiator Paul Baumann ein Zeichen für die hohe Relevanz und Innovationskraft der grünen Branche. Die Qualität der nominierten Projekte war hoch und die Initiatoren betonen, dass sich alle Finalisten als Gewinner verstehen können. Besonders ausgezeichnet wurden 24 Projekte.
„VertiKKA – Vertikale KlimaKlärAnlage“ demonstriert neue Wege der Wasseraufbereitung im urbanen Raum, der „Nachbarschaftsgarten auf einem Parkhaus“ steht für innovative Formen sozialer Stadtentwicklung, die „Kleingartenanlage ‚Urbane Waldgärten‘, Berlin-Britz“ verbindet gemeinschaftliches Gärtnern, ökologische Bildung und urbane Teilhabe und das Projekt „BioBlitz – Artenvielfalt in Botanischen Gärten erleben“ macht Biodiversität auch in der Bildung erlebbar.
Die Tilia Awards machen deutlich: Pflanzenbasierte Lösungen spielen eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung lebenswerter Städte, resilienter Ökosysteme und zukunftsfähiger Lebensräume. Nach der erfolgreichen Premiere steht für den Veranstalter URBAN UTOPIA daher fest: Die Tilia Awards werden 2027 fortgesetzt.
Ein besonderer Dank gilt der hochkarätigen und interdisziplinär aufgestellten Jury sowie der Quadriga Hochschule, die als wissenschaftlicher Begleiter und Veranstaltungsort fungiert. Die Tilia Awards wurden auch von Partnern aus der Branche getragen – darunter die Baumschule Lorberg, Carl Stahl ARC und dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau.
URBAN UTOPIA ist der zentrale Treffpunkt für alle, die die Zukunft mit Pflanzen gestalten wollen. Die Idee zu den Tilia Awards entstand auf der ersten URBAN UTOPIA Conference im Sommer 2025 in Berlin. Beim disziplinübergreifenden Branchentreffen für die Pflanzenwirtschaft begegnen sich Pioniere und Treiber des Wandels sowie führende Köpfe der Branche. Keine klassische Konferenz, sondern ein partizipatives, transdisziplinäres Event am Puls der Zeit. Auch in diesem Jahr findet die URBAN UTOPIA Conference statt: am 9. und 10. Juli 2026 am Holzmarkt in Berlin.
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