
Technologische Innovation als Schlüssel
Rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland diskutierten vom 4. bis 6. März 2026 auf der Gartenbauwissenschaftlichen Tagung über nachhaltige Produktionssysteme, Ressourceneffizienz und den politischen „Neustart der Gartenbauwissenschaften“.
von BHGL erschienen am 12.03.2026Technologische Innovation ist im modernen Unterglasgartenbau keine Option mehr, sondern Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Diese zentrale Botschaft prägte die 58. Gartenbauwissenschaftliche Jahrestagung, die Anfang März 2026 unter dem Motto „Ressourceneinsparung im Gartenbau: Wie Technologie den Gartenbau nachhaltiger gestaltet“ in Erfurt stattfand. Rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland tauschten sich drei Tage lang über aktuelle Forschungsergebnisse und Herausforderungen im Gartenbau aus.
Organisiert wurde die Tagung von der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft (DGG) und dem Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur (BHGL) gemeinsam mit der Fachhochschule Erfurt. Die Leitung vor Ort lag bei Prof. Dr. Paul Lampert und Dr. Conny Tränker (beide FH Erfurt/Forschungsstelle für gartenbauliche Kulturpflanzen).
Zum Generalthema der Tagung lieferten zwei Keynotevorträge unterschiedliche Perspektiven. Der internationale Gartenbauberater Marco Joseph stellte in seinem Vortrag „Innovative Technik im weltweiten Unterglasgartenbau“ aktuelle Entwicklungen der globalen Gewächshausproduktion vor und präsentierte praxisnahe Beispiele für Innovationen aus verschiedenen internationalen Märkten.
Giuseppe Carlo Modarelli widmete sich wissenschaftlichen Strategien zur Steigerung von Nachhaltigkeit und Produktivität in kontrollierten Anbausystemen (Controlled Environment Agriculture). Beide Beiträge verdeutlichten die Bedeutung eines intensiveren internationalen Wissenstransfers sowie einer engen Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Technikfirmen und Forschung.
Als Hausherr begrüßte der Präsident der Fachhochschule Erfurt, Prof. Dr. Frank Setzer, die Teilnehmenden und zeigte sich erfreut, dass die Gartenbauwissenschaftliche Jahrestagung nach 19 Jahren wieder an der Hochschule stattfinden konnte.
1Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt, Andreas Horn, betonte in seinem Grußwort die lange Tradition der Stadt als Gartenbaustandort. Seit Jahrhunderten prägen Samenhandel, Züchtung und Erwerbsgartenbau die Entwicklung Erfurts. Einrichtungen wie der egapark, das Deutsche Gartenbaumuseum sowie die gartenbauliche Forschung und Ausbildung an der Fachhochschule Erfurt stehen bis heute für die enge Verbindung von Praxis, Ausbildung und Wissenschaft. Gleichzeitig verwies der Oberbürgermeister auf Herausforderungen für den Gartenbau, darunter Klimawandel, Ressourcenschonung, Energieeffizienz, Wasserverfügbarkeit und Flächenkonkurrenz. Innovationen und neue Technologien seien entscheidende Instrumente, um nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionssysteme zu entwickeln.
Ulrich Haage, Präsident des Gartenbauverbandes Thüringen, der in Vertretung des Zentralverbands Gartenbau sprach, hob die Bedeutung des Dialogs zwischen Wissenschaft, Beratung und Praxis hervor. Gerade in wirtschaftlich und strukturell herausfordernden Zeiten sei eine enge Verzahnung dieser Bereiche notwendig, um tragfähige Lösungen für die Zukunft des Gartenbaus zu entwickeln.
Peter Ritschel, Präsident des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR), verwies auf das Engagement seines Hauses für angewandte Forschung und Ausbildung am Lehr- und Versuchszentrum für Gartenbau Erfurt, das die Tagung ebenfalls unterstützte.
DGG-Präsident Dr. Walter Dirksmeyer und BHGL-Präsident Marc-Guido Megies verwiesen auf die Bedeutung des aktuellen politischen Prozesses für einen „Neustart der Gartenbauwissenschaften“. Grundlage dafür seien das Maßnahmenpaket „Zukunft Gartenbau“ des Zentralverbands Gartenbau (ZVG) sowie das Konzept zum „Neustart der Gartenbauwissenschaften“, das im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert ist. Beide forderten die Bundesregierung auf, dieses Vorhaben mit dem Haushalt 2027 umzusetzen, und riefen die Gartenbauwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler dazu auf, den politischen Prozess aktiv zu unterstützen. Zugleich warnte Dirksmeyer vor dem Verlust bestehender wissenschaftlicher Strukturen, etwa durch die geplante Schließung der Forschungsstelle für gartenbauliche Kulturpflanzen.
Das wissenschaftliche Programm spiegelte die gesamte Bandbreite der Gartenbauwissenschaften wider. In zahlreichen Vorträgen und Postersessions wurden aktuelle Forschungsarbeiten zu Themen wie Pflanzenzüchtung, Phytomedizin, Substrat- und Ressourceneffizienz, Gartenbautechnik, Produktionssystemen, Digitalisierung sowie ökonomischen Fragestellungen vorgestellt.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Beim studentischen Wettbewerb „DGG Green Challenge“ präsentierten zehn Teams aus verschiedenen Hochschulen ihre Konzepte für eine nachhaltige Produktion im Gartenbau. Den ersten Preis und das von der Gartenbauzentrale Papenburg gestiftete Preisgeld von 1.500 Euro gewann das Team „Low-Input-Basil“ der Humboldt-Universität zu Berlin mit einem Konzept für eine ressourcenschonende Basilikumproduktion.
Der BHGL-Förderverein vergab zudem vier Posterpreise:
- 1. Platz (400 €): Kim Kyra Brüntjen, Hochschule Osnabrück
- 2. Platz (300 €): Lea Kochmann, Hochschule Osnabrück
- 3. Platz (200 €): Lara Bürig, Julius Kühn-Institut
- Sonderpreis Studierende (100 €): Linus Arlt, Hochschule Osnabrück
Die Veranstaltenden ziehen insgesamt eine sehr positive Bilanz der Tagung. Neben dem intensiven wissenschaftlichen Austausch trugen insbesondere die starke Beteiligung des Nachwuchses und die thematische Vielfalt zum Erfolg der Veranstaltung bei.
Die Organisatoren bedanken sich ausdrücklich bei allen Sponsoren und Unterstützern der Tagung. Besonders hervorgehoben wurden die Hauptsponsoren DH Licht, Aurora Europe und die Gartenbauzentrale Papenburg. Weitere Unterstützung kam unter anderem von RAM Mess- und Regeltechnik, der Messe Essen, LIMERA Gartenbauservice, der TASPO Stiftung sowie der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH.
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