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Kompromiss zwischen Torfabbau und Naturschutz

Gramoflor, BUND und UFO finden gemeinsame Lösung

Im Großen Moor bei Neuenkirchen-Vörden wurde ein wegweisender Kompromiss zwischen Naturschutz und Rohstoffgewinnung erzielt: Umweltverbände und das Substratunternehmen Gramoflor entwickelten gemeinsam ein Konzept, das Torfabbau und Hochmoorschutz miteinander verbindet – und so zeigt, wie Klimaschutz und regionale Wirtschaft Hand in Hand gehen können.

von Gramoflor erschienen am 08.01.2026
Von links: Ansgar Brockmann, Bürgermeister der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden, Dr. Benedikt Beckermann, Kreisrat des Landkreises Vechta, Gabriela Gramann, Gramoflor, Josef Gramann, Gramoflor, Dr. Matthias Schreiber vom Umweltforum Osnabrücker Land und Prof. Dr. Michael Rode vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Niedersachsen. © Gramoflor
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Mit Bescheid vom 18. Oktober 2024 erteilte der Landkreis Vechta der Firma Gramoflor die Genehmigung zum Torfabbau auf einer Fläche von rund 95 Hektar im Großen Moor in der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden – auch Campemoor genannt. Gegen diese Genehmigung legten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Niedersachsen, sowie das Umweltforum Osnabrücker Land (UFO) zunächst Widerspruch ein.

Anders als häufig üblich, blieben die verschiedenen Interessengruppen jedoch in intensivem Austausch und entwickelten gemeinsam einen beispielhaften Kompromiss zwischen dem bereits genehmigten Torfabbau und den Zielen des Klima- und Naturschutzes.

Ausgangspunkt des Dialogs war die gemeinsame Überzeugung, dass eine Hochmoorentwicklung auf den bislang landwirtschaftlich genutzten, CO2-emittierenden Moorflächen möglichst zeitnah beginnen sollte und zugleich die Versorgung mit verantwortungsvoll gewonnenen, möglichst regionalen Rohstoffen für den professionellen Gartenbau gesichert werden müsse.

Zur Umsetzung dieser gemeinsamen Zielsetzung schlossen BUND, UFO und Gramoflor eine schriftlich fixierte Vereinbarung. Daraufhin nahmen die Verbände ihren Widerspruch zurück. Der gefundene Kompromiss gestaltet sich wie folgt. Die ursprünglich genehmigten 95 Hektar Torfabbaufläche werden gemäß der Vereinbarung in drei Bereiche unterteilt:

  • Auf 45 Hektar erfolgt weiterhin die Torfgewinnung im Gramoflor-eigenen Ober-Unterfeld-Verfahren nach dem sogenannten NABU-IVG-Konzept. Dieses eigens entwickelte Verfahren ermöglicht es, bereits während der Torfgewinnung moortypische Vegetation wieder anzusiedeln und somit frühzeitig neue CO2-Speicher auf den vormals landwirtschaftlich genutzten Flächen aufzubauen.
  • Auf mindestens 30 Hektar wird eine sogenannte „Moorrandsanierung“ vorgenommen. Hier wird ausschließlich der durch die landwirtschaftliche Nutzung belastete Oberboden abgetragen, um optimale Bedingungen für die Entwicklung eines neuen Hochmoors zu schaffen. Man könnte sagen, der Boden wird „gereinigt“, damit die wieder eingebrachte Moorvegetation überhaupt eine Chance hat, sich anzusiedeln – ähnlich wie bei der laufenden Moorsanierung im Ahlen-Falkenberger Moor (Landkreis Cuxhaven), die über den NABU-Klimafonds umgesetzt wird. Auch dort engagiert sich Gramoflor seit Beginn maßgeblich, denn solche Projekte bieten eine echte Chance für praktischen Moorschutz in Niedersachsen.
  • Auf der verbleibenden Restfläche, die sich aus dem NABU-IVG-Konzept ergibt, wird eine zusätzliche Klimakompensation realisiert.

Josef Gramann, geschäftsführender Gesellschafter von Gramoflor, fasst den Ansatz so zusammen: „Jedem Hektar Torfgewinnungsfläche steht ein Hektar Moorsanierungsfläche gegenüber und am Ende wird dann auf der gesamten Fläche ein lebendes CO2-speicherndes Hochmoor entstehen.“

Für Gramoflor ist dieses Projekt ein Vorzeigebeispiel für die realistische Entwicklung von Hochmooren in der Region und zugleich für die regionale Rohstoffsicherung des für den Erwerbsgartenbau weiterhin wichtigen Rohstoffs Torf. Zwar werden auch bei Gramoflor die Torfanteile durch den zunehmenden Einsatz von Ersatzstoffen kontinuierlich reduziert, dennoch bleibt Torf für bestimmte Kulturen und Einsatzzwecke im Sinne der Kultursicherheit vorerst unverzichtbar.

„Wir gehen davon aus, mit den neuen Flächen im Campemoor und unseren weiteren Maßnahmen zur regionalen Rohstoffsicherung unsere Torfmengen mehr als zu verdoppeln. Für die nächsten zehn Jahre verfügen wir somit über ausreichende Mengen vom am Markt immer wichtiger werdenden Schwarztorf“, so Gramann. „Damit verfügen wir für die nächsten zehn Jahre über ausreichende Mengen des am Markt zunehmend gefragten Schwarztorfs.“ Er ergänzt: „Schwarztorf lässt sich aufgrund seiner guten Wasserhaltekraft ideal mit den gängigen Torfersatzstoffen, wie Holzfaser, Kokos und Substratkompost kombinieren.“

Abschließend betont Gramann: „Jede regionale und eigene Lösung verschafft uns mehr Sicherheit und verkürzt die Transportwege maßgeblich. Unser Produktionswerk in Neuenkirchen-Vörden liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu den neu gewonnen Rohstoffquellen.“

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