Am 14. März 2026 fand mit einem mobilen Tulpengarten am Berliner Breitscheidplatz der „Tulip Day 2026“ statt. Arjan Smit eröffnete als Repräsentant der Vereinigung „Tulip Promotion Netherlands“ (TPN) den Tulpengarten.
von Die Fragen stellte Sabine Meißner, Berlinerschienen am 04.04.2026
Herr Smit, entsprach der Tulpentag in Berlin Ihren Erwartungen?Arjan Smit: Ich war wieder einmal erstaunt, dass so viele Menschen gekommen sind. Verschiedene Leute habe ich gefragt, was sie von dieser Aktion halten und ob es ihnen nichts ausmacht, zwei bis drei Stunden dafür in der Schlange zu stehen. Die einhellige Antwort war, dass sie das Erlebnis, mitten in der Großstadt durch einen Tulpenpark zu spazieren und sich selbst Tulpen zum Pflücken auszusuchen, einfach fantastisch finden.
Lohnt sich denn der erhebliche Aufwand für Logistik und Transport der Pflanzen?Arjan Smit: Auf jeden Fall finde ich das lohnenswert! Deutschland ist für uns als Betrieb, aber auch für die Niederlande, sehr wichtig. Es ist schön, den deutschen Bürgern auf diese Weise etwas zu bieten und unsere engen Handelsbeziehungen zu stärken.Sie führen in Spierdijk, einem kleinen Ort in Nordholland, das Familienunternehmen Smitflowers in der dritten Generation. Seit wann besteht das Unternehmen?Arjan Smit: Der Betrieb wurde um 1938 von meinem Großvater gegründet. 1986 haben mein Vater und sein Bruder es übernommen. Ich habe das Unternehmen 1997 übernommen. In den ersten Jahren leitete ich es zusammen mit meinem Bruder, der sich etwas später dem Tomatenanbau gewidmet hat.Welche Ausbildung haben Sie?Arjan Smit: Ich habe die Grundschule besucht und in den letzten Schuljahren eine Fachausbildung im Bereich Blumenzwiebelanbau absolviert, wobei mein Vater mein wichtigster Lehrmeister war. Nach einiger Zeit habe ich mich mehr auf den internationalen Bereich ausgerichtet und daher auch meine Sprachkenntnisse verbessert.Wir bewirtschaften derzeit 40 ha, von Bordeaux (FR) bis in die Nähe von Groningen (NL). Das dient einer guten Verteilung der Arbeitsaufgaben.Wie viele Tulpen wachsen bei Ihnen? Und in welchen Ländern sind Ihre Kunden?Arjan Smit: Wir produzieren etwa 20 Millionen Tulpenzwiebeln pro Jahr. Davon verwenden wir ca. 11 Millionen für unsere eigene Blumenproduktion. Die andere, knappe Hälfte von etwa 9 Millionen Zwiebeln verkaufen wir an Kollegen oder sie gelangt ins Ausland.Wie viel Fläche unter Glas und wie viel im Freiland steht Ihnen zur Verfügung?Arjan Smit: Wir haben 5.500 m² Gewächshausfläche für den Anbau der Blumen. Derzeit bereiten wir gerade den Einbau einer zusätzlichen Ebene für den Anbau im Gewächshaus vor. Damit wollen wir den Energiebedarf senken und erwarten, dass wir effizienter arbeiten können. Im Freiland bewirtschaften wir Tulpenfelder auf einer Fläche von 40 ha.Wer ist Ihr Hauptabnehmer?Arjan Smit: Der größte Teil unseres Blumenexports geht in die Ukraine. Bedenkt man die Umstände, so klingt das vielleicht seltsam, aber wir hatten schon vor dem Krieg eine gute Zusammenarbeit und konnten diese glücklicherweise fortsetzen. Ich meine, das verschafft den Menschen dort doch einige Augenblicke des Beistands. Wenn ich in der Ukraine bin, sagen mir die Menschen immer: „Blumen sind gut für die psychische Gesundheit.“Wie erfolgt der Verkauf der Zwiebeln und der Blumen?Arjan Smit: Die meisten Blumen werden über die Blumenauktion verkauft. Allerdings kümmere ich mich ganz persönlich um unseren Exportbereich. Den Verkauf der Blumenzwiebeln wickeln wir häufig über einen Kommissionär ab. Er bringt Angebot und Nachfrage zusammen. Auch dabei habe ich meine eigenen Kanäle. Überhaupt stecken wir viel Energie in Vertriebskanäle und können erkennen, wie sich die Welt ständig verändert. Räumliche Entfernung ist ja heutzutage kein Problem mehr. Außerdem nutzen wir auch Messen im eigenen Land, wie die internationale Trade Fair Aalsmeer. Als größte internationale Fachmesse für Blumen und Pflanzen zieht sie bis zu 700 ausstellende Unternehmen und mehr als 20.000 Besucher an. Selbstverständlich sind wir dabei mit einem Stand vertreten und nutzen die Veranstaltung unter anderem, um neue Kontakte zu knüpfen.Wie viele verschiedene Sorten haben Sie im Programm? Welche Farben bevorzugen die Kunden, welche aktuellen Trends erkennen Sie?Arjan Smit: Das ist von Land zu Land oder von Region zu Region sehr unterschiedlich. Deshalb konzentrieren wir uns auf ein breites Sortiment, um die Kunden entsprechend ihrer Wünsche beliefern zu können. Unser Unternehmen bringt rund 25 verschiedene Sorten in fast allen Farben auf den Markt.Sind Tulpen Ihr einziger Schwerpunkt, oder produzieren Sie auch andere Blumen?Arjan Smit: Wir konzentrieren uns ganz auf Tulpen, auch wenn ich in meinem Exportgeschäft mit verschiedenen anderen Blumen arbeite. Neben Tulpen sind das vor allem Rosen.
Sie arbeiten mit moderner Technologie – möchten Sie etwas darüber erzählen?Arjan Smit: Ja, gerne. Wir setzen zunehmend Computer und Roboter ein. So fährt draußen ein Roboter herum, der kranke Pflanzen entfernt. Diese Arbeit erledigten früher Menschen. Allerdings ist die Maschine produktiver und entfernt mehr kranke Pflanzen in einer bestimmten Zeit, als Mitarbeiter es tun könnten.Unsere Tulpen wachsen auf Wasser. Hierfür nutzen wir Regenwasser, das auf unsere Dächer fällt. Dieses Wasser sammeln und recyceln wir immer wieder, damit nichts verloren geht. Der Kreislauf ist dem technischen Fortschritt zu verdanken und nicht nur für unser Unternehmen finanziell vorteilhaft, sondern trägt auch dazu bei, dass wir Gutes für das Klima tun. Man kann sagen, unser Wassersystem ist eines der modernsten, das es für den Tulpenanbau gibt.
Gemeinsam erreicht man mehr als jeder für sichArjan Smit
Nicht zuletzt möchte ich erwähnen, dass unser Unternehmen zu 40 % mit selbst erzeugtem Strom versorgt wird. Dieser Anteil wird in den kommenden Jahren durch den Einsatz von Batterien und intelligenteren Systemen noch weiter steigen.
Wie viele Mitarbeiter welcher Nationalitäten beschäftigen Sie?Arjan Smit: Bei uns arbeiten durchschnittlich 20 Personen: 4 Niederländer, 2 Polen, 4 Ungarn und 10 Ukrainer. Wir rekrutieren die Mitarbeiter selbst. Das läuft immer über Mundpropaganda der Arbeitskräfte. Dass es so funktioniert, darauf bin ich durchaus stolz. Es zeigt doch, dass wir gut mit den Menschen umgehen.Gibt es derzeit besondere Herausforderungen für Ihr Unternehmen, beispielsweise aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Lage in Europa und weltweit?Arjan Smit: Glücklicherweise habe ich im Januar noch einen Energievertrag bis zum Jahr 2029 abgeschlossen. Das gibt mir also etwas Ruhe. Aber der Absatz wird natürlich komplizierter. Es ist zu hoffen, dass die Politik möglichst bald wieder normal denkt. Ich sage immer: Gemeinsam erreicht man mehr als jeder für sich.Sie sind noch nicht in einem Alter, in dem man an die Nachfolge denken muss, trotzdem die Frage: Können Sie optimistisch in die Zukunft schauen?Arjan Smit: Ja, mein Sohn Tim ist die vierte Generation. Er ist seit 2023 mit im Team.
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