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Tulpenanbau in den Niederlanden

Mit KI zu mehr Umweltschutz

Mit 12.000 Hektar verfügt Nordholland, eine der zwölf Provinzen der Niederlande, über das größte zusammenhängende Blumenzwiebelanbaugebiet der Welt. Neben Global Playern gibt es auch Raum für kleine, lokale Unternehmen.

von TPN erschienen am 20.02.2026
Mit 12.000 Hektar verfügt Nordholland, eine der zwölf Provinzen der Niederlande, über das größte zusammenhängende Blumenzwiebelanbaugebiet der Welt. Neben Global Playern gibt es auch Raum für kleine, lokale Unternehmen. © TPN/ibulb/PETER WIEZORECK
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Viele der Tulpenzwiebeln, die hier auf den Feldern im Sommer geerntet werden, kommen in die Schnittblumenproduktion. Diese findet ab November fast ausschließlich in Gewächshäusern statt. Im Rahmen des European Green Deal und vieler nationaler Programme unter anderem zum Gewässerschutz gehen die Tulpengärtner der Region den Umweltschutz seit einigen Jahren engagiert an.

Unterstützung erhalten sie von Greenport Noord-Holland Noord, einem Netzwerk in der Provinz Nordholland, in dem Unternehmen, Behörden und Wissensinstitutionen zusammenarbeiten, um Landwirtschaft und Gartenbau zukunftssicher zu machen: Die Gewächshäuser, in denen die Schnitttulpen wachsen, werden heute beispielsweise überwiegend mit Solar- oder Erdwärme geheizt. Gegossen wird ressourcensparend mit Regenwasser, geschlossene Kreislaufsysteme halten den Verbrauch gering. Pflanzenschutzmittel werden bei dieser Art des Schnitttulpenanbaus fast nicht mehr gebraucht. Anders sieht es häufig noch auf den Feldern aus. Um auch hier zukünftig noch stärker im Einklang mit der Natur hochwertige Blumenzwiebeln produzieren zu können, hat man damit begonnen, vermehrt auf Technologie und Künstliche Intelligenz (KI) zu setzen.

Foto: TPN/GPP. - Roboter wie dieser sind eine wichtige Innovation im Spezialgebiet des Tulpenanbaus und unterstützen die Gärtner beim Übergang zur regenerativen Agrarwirtschaft und zum Präzisionsgartenbau.
Foto: TPN/GPP. - Roboter wie dieser sind eine wichtige Innovation im Spezialgebiet des Tulpenanbaus und unterstützen die Gärtner beim Übergang zur regenerativen Agrarwirtschaft und zum Präzisionsgartenbau. © TPN/GPP

Smart Farming

Ein Tulpengärtner aus der Region Nordholland, der bereits einen KI-gesteuerten Roboter auf den Feldern im Einsatz hat, ist Stef Ruiter. Sein Unternehmen „J.C.J. Ruiter-Wever" hat es sich zum Ziel gesetzt, dem Handel bereits ab Dezember eine bunte Palette frischer Tulpen zu liefern. Damit ein möglichst vielseitiges Sortiment von Anfang bis Ende der Tulpensaison geboten werden kann, finden sich etwa 30 Sorten im Kulturprogramm der Gärtnerei. Der Großteil der benötigten Zwiebeln stammt aus eigenem Anbau, um die Qualität des Ausgangsmaterials bestmöglich im Griff zu haben.

Da der Nachhaltigkeitsgedanke für das Unternehmen schon lange eine wichtige Rolle spielt, setzt man auf das Konzept des integrierten Anbaus. Dabei ist der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden ein Minimum reduziert. Sie werden nur dann verwendet, wenn ein wirtschaftlicher Schaden droht. Deshalb und weil Ruiter sich für zukunftsorientierte Technik begeistert, investierte er in den Robot One. Der hochmoderne Agrarroboter wurde von Pixelfarming Robotics entwickelt, die ihren Sitz am Campus Almkerk in den Niederlanden haben. Der solarbetriebene Helfer fährt dank 14 Spezialkameras und zwei GPS-Antennen autonom durch die Felder. Auf dem Dach sind Solarpaneele montiert, die seine Batterie während der Fahrt aufladen. Durch die Leichtbauweise kann er die verschiedensten landwirtschaftlichen Gelände bewältigen. Robot One ist in der Lage, Pflanzen präzise zu erkennen und zu klassifizieren. Seine zehn steuerbaren Arme lassen sich mit einer Vielzahl an Werkzeugen bestücken und unabhängig voneinander einstellen – angepasst auf die Reihenbreite einer Kultur und gewünschte Arbeitstiefe. So ist durch den millimetergenauen Einsatz von Lasertechnik eine chemiefreie Unkrautbekämpfung möglich. Die unerwünschten Gewächse werden einfach mittels elektromagnetischer Wellen weggebrannt, ohne dass die benachbarten Tulpen Schaden nehmen.

Auf vergleichbare Weise bewegt sich der Roboter von H2L Robotics über die Tulpenfelder des Familienunternehmens „Smit Flowers" in Spierdijk, das in dritter Generation von Arjan Smit geleitet wird. Die Aufgabe, die das Gerät hier übernimmt, ist allerdings eine andere. Hightech-Kameras scannen jede einzelne Blume. Das kollektive Wissen erfahrener Tulpengärtner wurde auf das KI-Modell des H2L Roboters übertragen und ermöglicht es, diejenigen, die von einem Virus infiziert sind, von gesunden Pflanzen zu unterscheiden. Die passende Behandlung übernimmt der Roboter dann auch sofort und verabreicht ein Pflanzenschutzmittel exakt dort, wo es benötigt wird. Das verhindert die Ausbreitung von Krankheiten und macht ein großflächiges Ausbringen von chemischen Substanzen überflüssig. Da er an der Unterseite mit LED-Leuchten ausgestattet ist, kann er auch nachts seine Bahnen fahren.

Roboter wie diese sind eine wichtige Innovation im Spezialgebiet des Tulpenanbaus und unterstützen die Gärtner beim Übergang zur regenerativen Agrarwirtschaft und zum Präzisionsgartenbau. Noch sind sie mit einem Preis von etwa 200.000 bis 300.000 Euro teuer. Nicht jedes Unternehmen kann sich den Einsatz sofort leisten. Zu erwarten ist jedoch, dass der Anschaffungswert in den kommenden Jahren sinkt und die Anzahl der Funktionen der einzelnen Robotermodelle noch deutlich zunehmen wird.

Die KI-gesteuerten Roboter werden die Landwirtschaft und den Gartenbau zukünftig verstärkt dabei unterstützen, Qualität und Ertrag der Ernte zu verbessern und durch das verminderte Ausbringen von Chemikalien insbesondere das Bodenleben zu schonen.

Die Schnitttulpenproduktion findet ab November fast ausschließlich unter Glas statt.
Die Schnitttulpenproduktion findet ab November fast ausschließlich unter Glas statt. © TPN/GPP
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