Viele Praxistipps für Baumschulen
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Nach der Begrüßung durch die Leiterin Dr. Gerlinde Michaelis führte Mario Reil durch das Programm.
Den Auftakt der Veranstaltung bildete der Düngerdosierer FX100 der Firma DP3D. Neu ist sein Dosiersystem, das mit einem in der Größe verstellbaren Zellenrad arbeitet. Damit können nicht nur die praxisüblichen ummantelten Depotdünger oder kompaktierten Langzeitdünger auf die Substratoberfläche von Containerpflanzen gestreut werden, sondern auch viele organische Dünger, die den bisher üblichen Dosierern Probleme bereiten können. Das Gerät kann sowohl rückentragbar bei der Nachdüngung stehender Containerpflanzenbestände eingesetzt werden als auch stationär bei Pflanzen, die über Fließbänder transportiert werden.
RTK-gesteuerte Pflanztechnik von Geo-Konzept
Mit der Steuerung über GPS und RTK der Firma Geo-Konzept können mit der Software CoGIS Baumschulquartiere vermessen und die Pflanzung geplant werden. Über die Steuerung des Schleppers und der Pflanzmaschine kann dann mit diesen Daten jede Pflanze an einem genau festgelegten Standort platziert werden, was später bei Pflege- und Rodearbeiten wieder genutzt werden kann. Geo-Konzept bietet zusätzlich zur gezeigten Pflanztechnik auch Roboter an, für die die erzeugten Planungsdaten ebenfalls verwendet werden können.
Der Naïo Feldroboter „OZ"
Der örtliche Händler Heinrich Schröder Landmaschinen führte zusammen mit dem Hersteller Naïo Technologies den autonom arbeitenden Feldroboter „OZ" vor, der elektrisch angetrieben, autonom Arbeiten erledigen kann, zum Beispiel Bodenbearbeitung. Mit einem Grubber zwischen den Reihen und bei Bedarf zusätzlich mit Fingerhacken innerhalb der Reihe kann er den Boden lockern, um Unkraut zu bekämpfen. Wegen seiner geringen Geschwindigkeit und des niedrigen Gewichts darf er auch ohne Beaufsichtigung in nicht umzäunten Quartieren eingesetzt werden. Die Steuerung findet per Satellit auf 2,5 cm RTK-Genauigkeit statt.
Rückegabel „MiniJack"
Vom Ammerländer Technikanbieter Seed2Soil wurde die elektrisch angetriebene, handgeführte Transportgabel „MiniJack" vorgestellt, mit der ohne hohen Kraftaufwand und ohne große Körperbelastung Containerpflanzen mit einem Gesamtgewicht von bis zu 150 kg auf- und abgeladen sowie transportiert werden können. Außerdem zeigte Seed2Soil ein autonom fahrendes, GPS-gesteuertes Zugfahrzeug, das zurzeit entwickelt wird, damit es zukünftig ohne Fahrer Anhänger innerhalb der Baumschule von einem Ort zum anderen ziehen kann.
Sensorgesteuerte Bewässerung
Janine Maßmann (Hochschule Osnabrück) führt in der LVG eine Bachelorarbeit durch, in der mit sensorgesteuerter Bewässerung die Kulturbedingungen von Gehölzen optimiert werden, die in Substraten aus 50 % Weißtorf und 50 % Holzfasern wachsen. Die Software für die Steuerung der Magnetventile der Bewässerungseinheiten stammt vom Ammerländer Start-up Thorkas, das sie entwickelt und installiert hat.
Eine weitere Bachelorarbeit an der Hochschule Osnabrück betreut Selina Maßmann, die die Stickstoffernährung von Pflanzen in torfreduzierten Substraten mit stickstoffstabilisierter Holzfaser zum Thema hat.
Jan Pinski stellte ein weiteres Projekt zur sensorgesteuerten Bewässerung vor, das EIP-Projekt „NuTree", in dem entlang der gesamten Kette von der Kultur in der Baumschule, dem folgenden Pflanzentransport, der Lagerung auf der Baustelle und nach der Pflanzung die Feuchtigkeit des Ballens überwacht wird. Dadurch kann einerseits kontrolliert werden, ob und wann der Pflanzenballen trocken war und gleichzeitig natürlich auch über einen Alarm eine Bewässerung veranlasst werden.
Projekte zur Torfreduktion: ToSBa und FiniTo
Im MuD-Projekt ToSBa (Modell- und Demonstrationsvorhaben zur Praxiseinführung von torfreduzierten Substraten in Baumschulen) werden mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und in Zusammenarbeit mit der LK Schleswig-Holstein vier Jahre lang Baumschulen bei der Einführung stark torfreduzierter Substrate (maximal 50 % Torfanteil) betreut, davon jeweils fünf Betriebe in den Modellregionen Pinneberg und Ammerland.
Wie die Gesamtkoordinatorin Dr. Inga Binner und die Regionalkoordinatorin Pia Bunger berichteten, haben mittlerweile alle teilnehmenden Betriebe das Ziel erreicht, bei ausgewählten Kulturen maximal 50 % Torf im Substrat einzusetzen. Das Projekt ToSBa endet im Sommer 2024, aber es wurde von der Baumschulwirtschaft so erfolgreich angenommen, dass geplant ist, in Kürze ein Folgeprojekt zu beantragen.
Ähnlich, aber nicht gleich, ist das Verbundprojekt „Fachinformation für Gartenbaubetriebe zur Umstellung auf torffreie und torfreduzierte Kultursubstrate" (FiniTo), das Florin Laura Riechers und Ariane Friese vorstellten. Ziel des vom BMEL geförderten Projekts ist, deutschlandweit Gartenbaubetriebe aller Sparten bei der Reduzierung ihres Torfeinsatzes zu begleiten, sie bei Problemfällen zu unterstützen und sie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gartenbau der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht intensiv zu betreuen.
Projekt ToPGa und Projekt ToKuBa
Mit finanzieller Unterstützung des BMEL werden im Verbundprojekt ToPGa (Entwicklung und Bewertung von torfreduzierten Produktionssystemen im Gartenbau) wesentliche Grundlagen für den Einsatz neuer Torfersatzstoffe erarbeitet, um den Umstieg in den verschiedenen Sparten des Gartenbaus auf torfreduzierte und torffreie Substrate zu erleichtern.
In einem Teilprojekt davon wird in der LVG Bad Zwischenahn in Zusammenarbeit mit dem Gartenbauzentrum Ellerhoop die Eignung von Gärresten für Baumschulsubstrate untersucht. Wie Projektmitarbeiterin Christina Eilers berichtete, zeigte sich in ihren Versuchen die ungeheure Heterogenität der verschiedenen Gärreste, deren Qualität je nach Ausgangsstoffen sehr schwankte und in einigen Varianten zu starken Schäden führte. Hoffnung machen Versuche mit nährstoffabgereicherten Produkten, die in deutlich höheren Anteilen im Substrat eingesetzt werden können als die unbehandelten. Auch Versuche zur Einsparung von Phosphor- und Kaliumdüngung durch die Gärreste verliefen erfolgreich.
Mit finanzieller Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz werden im Projekt ToKuBa (Torfersatz und Kulturführung in Baumschulcontainerkulturen) Maßnahmen zur Absenkung des pH-Wertes sowie zur Stickstoff-Ausgleichsdüngung in torffreien oder stark torfreduzierten Substraten geprüft. Wie Projektmitarbeiter Mario Reil berichtete, haben seine Versuche gezeigt, dass der Einsatz torffreier Substrate für kalkempfindliche Kulturen riskant ist, selbst bei Einsatz von Schwefel zur Absenkung des pH-Werts. Die Stickstoffimmobilisierung torfreduzierter Substrate dagegen bereitete kaum Probleme.
Düngung und Substrate
Mehrere Versuche der LVG befassen sich mit Torfreduzierung sowie der Düngung von Containersubstraten. In den Versuchen zeigte sich die ungeheure Heterogenität der verschiedenen Baumschulkulturen in Hinsicht auf ihre Ansprüche an die Substrate. Die organische Düngung klappte in den Versuchen recht gut. Außerdem wird die Wirksamkeit des neuen Depotdüngers Osmocote 5 in Hinsicht auf die Spurenelementversorgung geprüft. Die sehr kupferbedürftigen Ligustrum ovalifolium reagierten auf diesen Dünger mit Minderwuchs, während er Ligustrum vulgare ‘Atrovirens’ kaum Probleme bereitete.
Phytophthora-Wurzelfäule
Phytophthora -Wurzelfäule kann besonders bei manchen Containerkulturen zu hohen Ausfällen führen. Bisher wurden die empfindlichen Kulturen meist durch Gießanwendungen phosphonathaltiger Dünger (zum Beispiel Phosfik, Phos 60) gesunderhalten. Inzwischen sind diese Produkte aber nicht mehr zugelassen, und die Anwendung von Restmengen soll nur noch bis Sommer 2024 erlaubt sein. Mittlerweile haben phosphonathaltige Pflanzenschutzmittel wie Frutogard eine Genehmigung zur Gießanwendung erhalten, allerdings in deutlich geringerer Menge (bis 16 l pro Hektar und Jahr) als es früher bei den phosphonathaltigen Düngern üblich war (je nach Produkt beispielsweise 375 Liter pro Hektar und Jahr). In Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzamt Niedersachsen wird zurzeit untersucht, wie wirksam die zulässige niedrige Aufwandmenge von Frutogard ist und inwieweit Gießanwendungen mit biologischen Produkten (Prestop WP, T-Mix Plus, Serenade ASO) eine Alternative bieten können.
Absterbeerscheinungen an Steinobstbäumen
Eine weitere Versuchsreihe, die in Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzamt Niedersachsen, der Gartenbau Beratungs GmbH (Baden-Württemberg) und dem Baumschul-Beratungsring Weser-Ems durchgeführt wird, beschäftigt sich mit Absterbeerscheinungen bei Steinobstbäumen. Die Ursachen von plötzlichem Absterben von Aprikosen- und anderen Steinobstbäumen aus Containerkultur im Frühjahr nach der Blüte, das seit einigen Jahren vor allem in Endverkaufsbetrieben und Gartencentern große Probleme bereitet, sollen darin geklärt werden und Gegenmaßnahmen entwickelt.
Sortentestungen
Sortimentsspezialist Björn Ehsen stellte die Sortimentsprüfungen der LVG vor. Im Rahmen der Bundes-Gehölzsichtung laufen Vergleiche verschiedener Sorten von Caryopteris , Potentilla und schlank wachsenden Hainbuchen. Die Sichtung der Lagerstroemia wurde beendet. Leider ließ ihre Frosthärte unter den Versuchsbedingungen zu wünschen übrig.
Die Sichtung von Buchsbaumsorten, in die auch die neuen Sorten der Reihen „BetterBuxus" aus Belgien und „NewGen" aus den USA einbezogen sind, und von Alternativpflanzen zu Buchsbaum ist einer der am meisten nachgefragten Sortimentsversuche der LVG Bad Zwischenahn. Gegen Blattfall zeigten die „BetterBuxus"-Sorten schon eine gute Widerstandsfähigkeit, im Moment wird auch die Anfälligkeit gegenüber dem Buchsbaumzünsler untersucht.
Der Zwischenahner Baumschultag war auch in diesem Jahr wieder eine gelungene Veranstaltung, auf der die gute Stimmung auch durch kräftige Regenschauer nicht beeinträchtigt werden konnte, und die in Fachgesprächen bei Bratwurst und Bier einen gemütlichen Ausklang fand.
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