
Gemeinsamer Einsatz für Fachkräfte der Zukunft
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) und die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben eine wegweisende Kooperationsvereinbarung geschlossen, um den Fachkräftebedarf in der Land- und Forstwirtschaft nachhaltig zu sichern.
von Landwirtschaftskammer Niedersachsen erschienen am 15.01.2026In Niedersachsen bündeln die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) und die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit (BA) ihre Kräfte, um dem zunehmenden Fachkräftemangel in den sogenannten grünen Berufen gezielt zu begegnen. Hintergrund sind vor allem der demografische Wandel sowie die fortschreitende Digitalisierung, die die Sicherung qualifizierter Arbeitskräfte für die rund 25.000 Betriebe der Land- und Forstwirtschaft, des Gartenbaus und der Fischerei im Bundesland zu einer zentralen Herausforderung machen.
© Stauch/Landwirtschaftskammer Niedersachsen„Mit Digitalisierung und Automatisierung allein lässt sich der Fachkräftemangel nicht ausgleichen“ Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Ziel der Kooperation ist es, alle verfügbaren Arbeitskräftepotenziale noch systematischer auszuschöpfen. Im Fokus stehen dabei sowohl inländische Arbeitskräfte als auch Menschen mit Migrationsgeschichte, Fachkräfte aus Drittstaaten sowie Saisonarbeitskräfte aus der Europäischen Union. Nach Einschätzung der Partner wird deutlich: Digitalisierung und Automatisierung können helfen, den Arbeitskräftebedarf abzufedern, ersetzen aber nicht die Gewinnung und Qualifizierung von Menschen. LWK-Präsident Gerhard Schwetje betonte deshalb die Bedeutung einer engen, abgestimmten Zusammenarbeit mit der Regionaldirektion der BA, um die Wettbewerbsfähigkeit der niedersächsischen Betriebe zu erhalten und zugleich jungen wie erfahrenen Menschen attraktive berufliche Perspektiven in der Branche zu eröffnen.
© Bundesagentur für Arbeit„Der größte Fehler ist zu glauben, dass sich der Fachkräftemangel mit dem aktuell zahlreichen Stellenabbau in der Industrie erledigt hat“ Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit
Johannes Pfeiffer, Chef der BA-Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen, warnte zugleich vor der Fehleinschätzung, der Fachkräftemangel könne sich durch den aktuell hohen Stellenabbau in Teilen der Industrie „von selbst“ erledigen. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestehe weiterhin in vielen Betrieben. Zudem verschärfe sich die Lage durch die Altersstruktur: Seit diesem Jahr scheiden in Niedersachsen jährlich mehr Menschen aus dem Erwerbsleben aus, als neu hinzukommen. Parallel dazu entstehe durch den technologischen Wandel ein erheblicher Qualifizierungsbedarf. Diese Herausforderungen wollen LWK und BA künftig gemeinsam und fokussiert angehen.
Die Vereinbarung umfasst mehrere Handlungsfelder, die unmittelbar zur Fachkräftesicherung beitragen sollen. Ein Schwerpunkt liegt auf Berufsorientierung und Ausbildung: Geplant sind gemeinsame Informationsveranstaltungen zu Agrar-, Forst- und Gartenbauberufen. Jugendliche sollen außerdem über die LWK-Plattform „Talente gesucht“ und das neue BA-Portal „meinBERUF“ gezielter angesprochen werden. Ergänzend sollen Praktikumsplätze aktiv beworben und durch Förderinstrumente wie die Assistierte Ausbildung (AsA) oder die Einstiegsqualifizierung (EQ) unterstützt werden, um den Übergang in Ausbildung und Beschäftigung zu erleichtern.
Ein weiteres Feld ist Inklusion und Integration. Die Kooperationspartner wollen die Chancen von Menschen mit Behinderungen sowie von Personen mit Migrationsgeschichte auf dem ersten Arbeitsmarkt verbessern. Unterstützt wird dies unter anderem durch Projekte wie „Begleitung in inklusive Ausbildung und Arbeit (BiAA)“ sowie durch die Zusammenarbeit mit der Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA). Darüber hinaus rückt auch die gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten stärker in den Fokus. Beide Partner verpflichten sich dabei zu fairen Rekrutierungsprozessen nach internationalen Standards.
Auch Qualifizierung und Weiterbildung spielen eine zentrale Rolle. Geplant sind gemeinsame Weiterbildungsverbünde und Förderprogramme, um Betriebe und Beschäftigte für die Veränderungen in der Agrarbranche fit zu machen. Konkret soll die Regionaldirektion die Landwirtschaftskammer regelmäßig über aktuelle Förderinstrumente der Qualifizierungsoffensive informieren, damit diese Informationen gezielt an die Praxisbetriebe weitergegeben werden können. Dabei gilt: Förderungen werden im Einzelfall nach Beratung durch die jeweilige örtliche Agentur für Arbeit als Ermessensleistung entschieden.
Aus Sicht der Partner hat die Vereinbarung eine große Bedeutung für Niedersachsen als Agrar-Bundesland Nummer eins. Sie soll dazu beitragen, die Attraktivität der grünen Berufe zu steigern, die Arbeitskräftebasis zu sichern und damit auch die regionale Wirtschaft insgesamt zu stärken. Dr. Bernd von Garmissen, Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, betonte die zentrale Rolle der Landwirtschaft für Versorgungssicherheit und ländliche Räume und sieht in der Kooperation eine Chance, Perspektiven für Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen zu schaffen. Johannes Pfeiffer unterstrich, dass die Zusammenarbeit Teil einer langfristigen Strategie sei, Herausforderungen gemeinsam zu lösen, Ressourcen zu bündeln und den Fachkräftebedarf im Land bestmöglich zu decken.
Die Kooperationsvereinbarung gilt zunächst bis Ende 2027. Beide Partner wollen die Öffentlichkeit regelmäßig über Fortschritte und gemeinsame Projekte informieren.










Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.