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Nachruf auf Ludwig Kientzler

Pionier im internationalen Zierpflanzenbau

Ludwig Kientzler verstarb am Sonntag, den 4. Januar 2026 in seiner geliebten Wahlheimat Costa Rica. Er hinterlässt ein globales Vermächtnis der Innovation und Veränderung in der weltweiten Gartenbaubranche.

von Garry Grüber erschienen am 12.01.2026
Ludwig Kientzler ©
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Geboren in den Nachkriegsjahren als ältester Sohn von Ludwig und Else Kientzler, erlebte Ludwig Kientzler hautnah das Arbeiten in einem typischen mittelständischen Jungpflanzenbetrieb in Bad Kreuznach. Der völlig unerwartete Tod des Vaters stärkte den eisernen Willen der Witwe Else Kientzler, den Betrieb für die drei noch sehr jungen Kinder nicht nur zu erhalten, sondern auch auszubauen – mit einem Neubau im nahe gelegenen Gensingen. Diese harte Zeit prägte Ludwig Kientzlers Streben nach Eigenständigkeit und seinen Tatendrang nachhaltig: Schon in jungen Jahren arbeitete er aktiv am Ausbau der Kientzler GmbH in Gensingen mit.

Die große Wende für die Firma kam mit der Einführung der ersten Neu-Guinea-Impatiens aus den USA in den 1980er Jahren. Ludwig Kientzler erkannte das Potenzial dieser damals völlig neuen Kultur, bemängelte jedoch das sehr heterogene Blüh- und Wuchsverhalten der ersten Hybridsorten. Also legte er selbst Hand an und züchtete weiter mit dieser vielversprechenden Kultur. Seine Serie „Paradise“ wurde ein Riesenerfolg, sowohl bei Produzenten als auch bei Verbrauchern. Ludwig Kientzler erkannte, dass der Markt reif für neue Kulturen war, und begann, das hierzulande bislang stagnierende Beet- und Balkonsortiment mit neuen Arten und Sorten aufzumischen. Damit löste er große Marktverschiebungen im internationalen Gartenbau aus.

Ende der 1980er Jahre traten neue Pflanzenkrankheiten aus Übersee in der Branche auf – ein sehr ernst zu nehmendes Problem, besonders für einen Jungpflanzenlieferanten wie Kientzler. Ludwig Kientzler schuf Raum für ein Testprogramm auf phytopathogene Krankheiten, zunächst bei den „heißen“ Neukulturen, später ausgeweitet auf alle Kulturen in Produktion. Ein solches Elite-System für Beet- und Balkonpflanzen gab es zu diesem Zeitpunkt nur bei Pelargonien. Umso bahnbrechender war der Aufbau eines Elitesystems mit Testung und Gewebekultur für die gesamte Produktionspalette – ein System mit tausenden von Elitekulturen, das bis heute seinesgleichen in der Branche sucht. Die Tochterfirma InnovaPlant GmbH & Co. KG wurde Anfang der 1990er Jahre speziell für das Elite-Programm, die Lizenzverwaltung sowie für Züchtung und Produktentwicklung gegründet.

Zu diesem Zeitpunkt war die Firma Kientzler noch nicht in der Lage, Märkte in Übersee aktiv zu erobern – man hatte jedoch herausragende Neuheiten und zudem sauberes Ausgangsmaterial zu bieten. Also suchte man nach Vertriebspartnern: Die „Großen“ der damaligen Branche in Nordamerika zeigten kein Interesse und konzentrierten sich auf ihre etablierten Hauptkulturen. Unter Beteiligung von Ludwig Kientzler entstand daraufhin ein anderes Modell – ein flächendeckendes Netzwerk gleichgesinnter Jungpflanzenbetriebe, die diese Neuheiten aus sauberem Ausgangsmaterial gemeinsam mit starkem Marketing vor Ort vertreiben sollten. Dies war die Geburtsstunde von Proven Winners, quasi als verlängerter Arm von Kientzler und InnovaPlant in Übersee und Europa. Das internationale Proven-Winners-Netzwerk gilt seit vielen Jahren als wichtigste Pflanzenmarke der US-Branche und wird dort als „the number one plant brand“ bezeichnet.

Die steigende Nachfrage im US-Markt, aber auch in Europa, machte die Schaffung eines großen Mutterpflanzenbetriebes im Ausland notwendig. Dies war der Auslöser zur Gründung der Firmen InnovaPlant de Costa Rica S. A. und später TicoPlant S. A. zur Belieferung des Proven-Winners-Netzwerks mit hochwertigen Stecklingen und Gewebekulturpflanzen. Unter Ludwig Kientzlers Führung entstand dort buchstäblich aus Kaffeefeldern ein Betrieb mit 12 Hektar hochmodernen Gewächshausanlagen sowie ein hochmodernes Gewebekulturlabor.

Besonders stolz war Ludwig Kientzler auf die Konzeption und Umsetzung des Jardín Botánico Else Kientzler in Costa Rica – zunächst gedacht als Genbank der heimischen Flora, inzwischen ein Publikumsmagnet in Sarchí im Zentraltal des tropischen Landes.

Ludwig Kientzler erschloss neue Märkte, veränderte unsere Branche nachhaltig durch völlig neue Kulturen und baute mit intensiven Züchtungsprogrammen und schlagkräftigen Konzepten erfolgreiche Netzwerke in aller Welt mit auf – sehr zum Wohle der gesamten Branche. Er war zeitlebens eine treibende Kraft, die Stillstand verabscheute: Stets hatte er neue Projekte und Ideen im Kopf, die er konsequent, tatkräftig und erfolgreich umsetzte. Nicht umsonst wurde er 2013 bei den Taspo-Awards in Berlin zum „Unternehmer des Jahres“ gekürt. Er nahm kein Blatt vor den Mund und hatte ein fast schelmisches Vergnügen an den, häufig heimlich ausgeführten, Projekten, an denen er gerade arbeitete.

Er liebte das Leben und wusste es zu genießen. Sein Lachen, sein Tatendrang und sein Charisma werden uns allen sehr fehlen.

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