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Erlebnisgärtnerei Borgas in Wedemark/ Mellendorf: Mit Ideen zum Erfolg

Rudolf Borgas setzt voll und ganz auf Events. Aus dem 1936 von seinem Großvater gegründeten Produktionsbetrieb machte er eine Erlebnisgärtnerei. Die sorgt nicht nur mit einer „Happy Hour“ für Weihnachtssterne für Aufsehen in der Region. Auch die Eigenproduktion trägt zum Erfolg bei.

"Unsere Stärke ist unsere Eigenproduktion,“ sagt Rudolf Borgas, der die Endverkaufsgärtnerei bereits in der dritten Generation führt. Produktionsschwerpunkte sind Beet- und Balkonpflanzen sowie Poinsettien und Violen. Borgas’ Philosophie: Sich vom Standardangebot durch Produktion und Zukauf qualitativ hochwertiger Pflanzen abheben.

Die vom Großvater gegründete Produktionsgärtnerei in Mellendorf wurde Mitte der 90er-Jahre im Zuge notwendiger Modernisierung an den Ortsrand verlegt. Als damals die Weichen neu gestellt wurden, beschloss die Familie, in eine Endverkaufsgärtnerei zu investieren statt die Produktion zu erweitern. „Die Zukunft für einen Produktionsbetrieb unserer Größenordnung war uns zu unsicher,“ erzählt Rudolf Borgas. Die Phase nach der Wiedereröffnung am neuen Standort war zwar zunächst schwieriger als erwartet, doch schon nach kurzer Zeit schrieb der Betrieb wieder schwarze Zahlen.

Pflanzen aus eigener Produktion
Bei den Beet- und Balkonpflanzen deckt die Eigenproduktion 90 % der abgesetzten Mengen ab. Für den restlichen Bedarf wird zugekauft, zum Beispiel bei Hillebrandt-Grein in Hildesheim, Landgard Hannover und anderen Produktionsgärtnereien. Durch den hohen Anteil eigener Ware, die etwa als „Borgas-Stern“ oder „Borgas-Primel“ verkauft wird, sei das Angebot stark saisonal geprägt, so Rudolf Borgas. Jungpflanzen beziehe er unter anderem von Kientzler, Gensingen, Eggers, Himbergen, Rampp, Salgen-Hausen, oder Schulz, Hannover. Ein weiteres wichtiges Standbein sind Poinsettien, die der Betrieb von Fischer, Hillscheid, bezieht. Etwa 50 % der Produktion werden an andere Endverkaufsgärtnereien verkauft.

Einen Namen machte sich die Gärtnerei Borgas mit Hortensien, von denen zu Zeiten des heutigen Seniorchefs Rudolf Borgas 50 000 Stück im Jahr produziert wurden. Inzwischen wird der einstige Star im Sortiment nur noch in Sondergrößen kultiviert, zum einen wegen der hohen Energiekosten, zum anderen wegen der unsicheren Vermarktung, denn die für eine rentable Produktion notwendigen Mengen waren nicht abzusetzen. Heute werden die Hortensien statt im Dezember erst im Februar zusammen mit den ersten Geranienstecklingen aufgestellt. So wird nicht nur der Platz besser genutzt, sondern auch der Energiebedarf um etwa 25 % gesenkt, zumal die Hortensien kein Zusatzlicht bekommen.

Offen für Neues
„In der Produktion waren und sind wir immer auf der Suche nach Neuheiten“, sagt Rudolf Borgas. Ein Meilenstein für den Familienbetrieb sei die Einführung der Tellerhortensie in Norddeutschland gewesen: Sein Vater entdeckte sie Anfang der 70er-Jahre in der Schweiz und gab sie dann an die Firma Rampp zur Vermehrung. Nach anfänglich notwendiger Überzeugungsarbeit ging es mit den Tellerhortensien nach zwei Jahren steil bergauf. Zeitweise brachten sie 40 % des gesamten Hortensien-Umsatzes.

Heute wird bei der Sortimentsauswahl besonderer Wert auf Farben- und Formenvielfalt gelegt. Außerdem steht Borgas in engem Kontakt zu innovativen Jungpflanzenbetrieben wie Kientzler oder Fischer, deren Neuheiten immer wieder gerne ins Programm genommen werden. Sehr erfolgreich war Borgas mit der Kientzler-Euphorbie ‘Diamond Frost’, die vor zwei Jahren auf den Markt kam. „Von der konnten wir fast nicht genug anbieten, so haben die Kunden sich darauf gestürzt.“

Aufgabenverteilung gut gelöst
Der gelernte Produktionsgärtner und Florist Borgas absolvierte nach seinem Wehrdienst die Meisterschule in Hannover-Ahlem, dabei wählte er schon mit Blick auf die geplante Neuausrichtung des Familienbetriebs den Schwerpunkt Endverkauf. Nach Erfahrungen bei Rampp in Salgen-Hausen sowie an der Côte d’ Azur übernahm er vor sieben Jahren den elterlichen Betrieb. Der Führungswechsel sei ohne Generationskonflikte abgelaufen, so Borgas, was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Obwohl offiziell längst in Rente, bleibt Borgas senior für die Produktion zuständig und ist trotz seines Alters eine unverzichtbare Stütze des Betriebs.

Das Sortiment wird gemeinsam geplant, ansonsten hält sich Borgas junior aus diesem Bereich bewusst heraus. Dafür leitet er den gesamten Verkauf. Vor Kurzem hat seine erste Auszubildende angefangen, die bereits während ihres Praktikums im Betrieb großes Engagement zeigte. Vorher habe er keinen Lehrling gefunden, der im Gärtnerberuf mehr als nur einen Notnagel sah. „Die Ausbildung guter Fachkräfte ist für mich eine wichtige Investition in die Zukunft“, sagt Rudolf Borgas. Bis auf die Saisonaushilfen sind bei ihm nur gelernte Produktions- und Verkaufsgärtner beschäftigt. Ehefrau Susanne Borgas arbeitet sich nach ihrer Erziehungszeit gerade in die Buchführung ein, um die bald scheidende Bürokraft zu ersetzen. Fast zur Familie gehört ein polnischer Mitarbeiter, der schon seit 30 Jahren kommt.

Absatz selbst beeinflussen
Über 40 Jahre lang organisierte Borgas senior den Verkauf über den Blumengroßmarkt Hannover, gab diesen wichtigen Absatzweg aber mit der Umstrukturierung des Betriebs auf. Als nach der Schließung des Großmarkts vor zwei Jahren Landgard die Vermarktung in Hannover-Sehnde übernahm, entschied sich Borgas gegen diesen Absatzweg: „Das war uns zu vage.“ Es sei nicht einfach für die Produktionsbetriebe in der Region Hannover, mit den spezialisierten Betrieben aus dem Rheinland zu konkurrieren, deren Produkte in großem Umfang über die Organisation günstig vermarktet werden. Wer sich für den Absatz über Landgard entscheide, müsse mit niedrigen Preisen rechnen.
Neben dem Endverkauf wird ein kleiner Teil der Produktion an Blumengeschäfte und andere Endverkaufsgärtnereien vorwiegend im Raum Hannover und Celle verkauft, zu denen schon lange Kontakte bestehen. Mit den derzeitigen Absatzmengen sei man zufrieden – und ohnehin bereits an der Grenze des Möglichen, so Borgas. Insofern sei nicht daran gedacht, weitere Abnehmer zu gewinnen.

Erfolgreich mit Events und gutem Service
Für die Endkunden dagegen soll noch mehr getan werden. Der neue Name „Erlebnisgärtnerei Borgas“ deutet das schon an. So können die Besucher hier jederzeit in die Produktionsgewächshäuser hineingehen. Vor Kurzem habe sogar eine Frau im Gewächshaus übernachtet – ihr spezieller Geburtstagswunsch, erzählt Borgas, der offen für ungewöhnliche Ideen ist.

Borgas veranstaltet an zwölf Tagen im Jahr verschiedene Events wie den „Tag der Hortensie“ oder den „Tag der offenen Gärtnerei“ am letzten Aprilwochenende, der immer sehr gut besucht sei. Alljährlich nimmt Borgas auch am „Tag der Kindergärtnerei“ teil, an dem sich Kindergruppen den ganzen Betrieb ansehen dürfen. Zudem gibt es regelmäßig eine Adventsausstellung, bei der vor vier Jahren erstmalig eine „Happy Hour“ stattfand: Weihnachtssterne wurden zum halben Preis verkauft.
„Der Ansturm war so groß, dass im Ort ein Verkehrschaos ausbrach,“ erinnert sich Borgas.
Er will auch mit guten Dienstleistungen überzeugen: Neben Beratung, Lieferservice, Pflanzenverleih, Bepflanzung von Gefäßen und Gartenpflege bietet er einen Überwinterungsservice an. Dafür wurde vor einigen Jahren extra ein kleines Gewächshaus gebaut. „Das wird von den Kunden sehr gut angenommen und bringt uns in der umsatzschwachen Winterzeit zusätzliche Einnahmen.“

Trotz neuer Konkurrenz zufrieden
Die saisonale Ausrichtung des Sortiments schlägt sich deutlich in der Umsatzverteilung nieder: Von April bis Juni wird die Hälfte des Jahresumsatzes gemacht. In diesem Jahr allerdings habe es bei den Umsätzen die reinste Berg- und Talfahrt gegeben, sagt Borgas, Hauptgrund sei das Wetter gewesen.
Zur Hauptsaison kommen die Kunden auch aus dem weiteren Umland, also der Region Hannover, dem Raum Soltau und Celle. Die Kunden wissen die Qualität von Borgas-Produkten offenbar zu schätzen, denn obwohl 2007 mit Dehner und Hellwig zwei Mitanbieter in der Region hinzukamen, habe die zusätzliche Konkurrenz entgegen anfänglichen Befürchtungen nicht zu Umsatzeinbrüchen geführt. Der Betrieb sei nach wie vor gesund, auch wenn das Geschäft aufgrund der Kostenexplosion immer schwieriger werde.

Obwohl nicht der größte Kostenblock, sind die hohen Energiekosten auch bei Borgas ein permanentes Thema. So sei leider die Energieeinsparung durch die Umstellung der Kulturen vor drei Jahren von den gestiegenen Gaspreisen wieder „aufgefressen“ worden. Und die Kosten werden weiter steigen, da ist sich Borgas sicher. „Wir haben uns daher intensiv mit der Nutzung von Alternativenergien auseinandergesetzt. Doch die Amortisationszeiten für entsprechende Anlagen sind uns zu lang.“ Als letzte Option für weitere Einsparungen bliebe ihm noch, Mitarbeiter zu entlassen und nur noch mit Rohware zu arbeiten. Zurzeit ließe sich so ein Schritt aber noch vermeiden.

Zukunftsperspektiven
Um längerfristig bestehen zu können, will Borgas die Stärken seines Betriebs weiter ausbauen und das anbieten, was die Kunden suchen. So soll neben einem größeren Veranstaltungsangebot die Topffloristik erweitert werden.

© Lemke
Ein neues Projekt ist die zusammen mit einem Freund gebaute „Ruine“, die nicht nur als Hingucker vor der Gärtnerei dient. Hier werden drei weitere Unternehmer auf eigene Kosten ihre Arbeiten präsentieren: Ein Steinmetz, ein Garten- und Landschaftsbauer sowie ein Elektriker, der Gartenbeleuchtung anbieten will. Zur Eröffnung im nächsten Frühjahr plant Borgas ein rustikales „Ruinenfest“.


Bei seinen Wünschen für die Zukunft bleibt Rudolf Borgas auf dem Teppich: „Wichtig ist, so viel zu erwirtschaften, dass weiterhin zwei Familien davon leben können, die eine oder andere Investition getätigt werden kann und privat alles so gut läuft wie bisher.“

Dr. Antje Lemke, Hannover

 

(c) DEGA online


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