Abo exklusiv
Beet- und Balkonhits für 2013
Kommentar: Mangel an Auszubildenden? Sie haben es in der Hand!
Holen Sie sich die Gartenbau-News auf iPhone oder iPad!
Pflanzenschutz im Überblick
>> Pflanzenschutz bei Kulturen
Krankheiten und Schädlinge
>> Krankheiten und Schädlinge an Stauden
>> Biologischer Pflanzenschutz
>> Pflanzenschutz auf dem Friedhof
>> Pflanzenschutz im Innenraum
DEGA auf Facebook
Neue Ideen: Pflanzen, Technik, Konzepte
MEDIEN AWARD öga 2012
Stellen und Bewerber finden
Gartenbau-Newsletter
Immer auf dem Laufenden bleiben mit
unserem Grüne Profi-Infos Newsletter!
Anzuchtsysteme: Worauf achten bei Plattensystemen?
Bei der Anschaffung von Platten zur Jungpflanzenanzucht und frühen Weiterkultur müssen Gärtner auf eine Reihe von Qualitätskriterien achten. Bei Mehrwegsystemen sind unter anderem Hygiene und die richtige Lagerung wichtig.
Die Anzucht von Jungpflanzen aus Samen oder durch Stecklinge findet in fast allen Bereichen des Gartenbaus und verstärkt bei Sonderkulturen wie Tabak oder Forstpflanzen in Vermehrungsplatten aus Kunststoff statt. Seit Beginn der 60er Jahre wurden aus der Praxis heraus verschiede Ansätze für Plattensysteme für Vermehrung und Kultur entwickelt. Eine der Bestrebungen war immer, die Pflanzenproduktion zu rationalisieren.
Entwicklungsschritte
In den frühen 60er Jahren wurden zuerst in Amerika die Speedlingsplatten aus Styropor entwickelt. Dann kamen in Europa die Multitopfplatten und Zapfencontainerplatten für die Stecklingsvermehrung auf den Markt. In den 70er Jahren entstanden in England speziell für Gemüsejungpflanzen stabile Platten aus gespritztem Polypropylen. Ziel war damals, in kurzer Zeit eine optimale Wurzelentwicklung der Jungpflanze zu erreichen und die Kulturzeit bis zur Ernte zu reduzieren. Gleichzeitig ergaben sich neue Kulturtechniken durch gezielte Kultursteuerung über Bewässerung und Düngung.
Für den Zierpflanzenbau entstanden rasch verschiedene Plattentypen, vorwiegend aus leichtem, tiefgezogenem Kunststoff. Mit der Entwicklung der stabilen QuickPot-Platten wurde erstmals gezielt die Handhabung gegenüber sonstigen damals am Markt befindlichen Platten verbessert und so der Faktor Arbeitszeit reduziert.
Styropor – stabil, aber mit Nachteilen
Alternativ zu den leichten, tiefgezogenen und den stabilen, gespritzten Platten wurden Anzuchtplatten auch vielfach aus Styropor hergestellt. Bei geringem Materialgewicht bieten sie eine hohe Festigkeit. Gegenüber tiefgezogenen Platten lassen sich zylindrische Zellen für zum Beispiel Presslinge sowie Stapelfüße formen. Obwohl durch verbesserte Oberflächenstruktur das Einwurzeln in das poröse Styropor weitgehend verhindert wurde, wird dieser Werkstoff heute wegen der schwierigen Hygiene bei mehrfacher Verwendung und vor allem wegen der Probleme bei der Entsorgung immer weniger eingesetzt. Zudem verursacht das große Volumen bei Transport und Lagerung einen beachtlichen Mehraufwand und Kosten.
Ein- und Mehrwegsysteme
Die heute gebräuchlichen Vermehrungs- und Kulturplatten sind je nach ihrer Verwendung Einweg- oder Mehrwegsystemplatten.
- Die Einwegplatten bestehen fast ausschließlich aus tiefgezogenem Polystyrol. Wegen der einmaligen Verwendung wird aus Preisgründen möglichst dünnes Material verarbeitet. Die Handhabung der Platten ist entsprechend zeitaufwändiger und kann bei der maschinellen Bearbeitung zu Störungen führen.
- Mehrwegplatten werden in stabiler Ausführung aus gespritztem Polypropylen oder Polyäthylen hergestellt. Sie sind weitgehend bruchfest und rund 20 Jahre haltbar. Wegen der hohen Werkzeug- und Fertigungskosten sind diese Platten vergleichsweise teuer. Einmal als teure Investition angeschafft, erschweren diese langlebigen Platten aber auch eine Anpassung der Produktion an neue Techniken oder Anforderungen des sich rasch ändernden Markts. Die technische Nutzbarkeit dauert vielfach deutlich länger als die wirtschaftliche Nutzung.
Alternativ zu den gespritzten Platten können auch tiefgezogene Modelle aus stärkerem Material mit fast derselben Stabilität hergestellt werden. Die Haltbarkeit beträgt bei den verbesserten Kunststoffqualitäten zehn bis zwölf Jahre und mehr. Gegenüber gespritzten Platten sind sie deutlich billiger. Die technische und wirtschaftliche Nutzung ist nach heutigem Stand etwa gleich lang. Dieser Punkt ist bei notwendiger Anpassung an technische Neuerungen besonders wichtig für den wirtschaftlichen Vergleich dieser Alternativen.
Anforderungen an Platten
An Ein- und Mehrwegplatten gibt es viele Grundanforderungen, die von beiden erfüllt werden sollten, aber sehr unterschiedlich in der Praxis realisiert werden. Nach folgenden Qualitätskriterien sind die Platten kritisch zu betrachten:
- Entstapelbarkeit: Ausschlaggebend dafür sind ausgeprägte, über die ganze Platte verteilte Stapelnocken. Kleine und wenige Nocken sind zwar leichter und billiger zu fertigen, erfüllen aber nicht immer die Funktion. Wichtig ist auch der Stapelabstand der Platten zueinander. Geringe Abstände verringern die Frachtkosten, erschweren aber das Entstapeln.
- Zellenform und Bodengestaltung: Eine sichere Drainage und die Belüftung des Wurzelbereichs müssen gewährleistet sein. Vorteile bietet ein großes und zentral gestanztes Bodenloch. Es ist Grundvoraussetzung für den Einsatz von Ausdrückplatten zur leichten Pflanzenentnahme. Drainagekanäle sorgen für sicheren Wasserabzug unabhängig von der Art der Stellfläche. Wurzelleitrippen führen die Wurzel und fördern die Bildung eines Feinwurzelsystems.
- Randausführung: Ein heruntergezogener Rand gibt Stabilität für das manuelle Handling sowie bei der maschinellen Bearbeitung und beim Transport auf Fördereinrichtungen.
Für die nahe Zukunft werden weitere Punkte für die Rationalisierung der Pflanzenproduktion ausschlaggebend sein:
- Die Platte wird Teil eines miteinander verzahnten Systems der mechanischen Bearbeitung von der Füll- und Transportvorrichtung bis zu Pflanz- oder Steckautomaten sein. Die Konstruktion moderner Anzucht- und Kulturplatten ist also auf die Anforderungen der verwendeten Technik genau abzustimmen.
- Bei verstärkter Automatisierung vieler Arbeitsschritte wird der Anteil der manuellen Bearbeitung wie Kommissionierung, Verpackung und Versand der Pflanzen eine Rationalisierungsreserve darstellen. Es ist zu prüfen, inwiefern ein abgestimmtes Plattensystem hier Arbeitskosten reduzieren kann.
- Die Auszeichnung an den Platten für den Kunden sowie zusätzliche Informationen werden zur Kultursteuerung und zur Dokumentation notwendig werden.
Pflege von Plattensystemen
Solche moderne Plattensysteme sind wie andere Investitionsgüter zu pflegen und zu warten, um rentabel zu bleiben. In der Praxis stellen folgende Punkte den wirtschaftlichen Einsatz sicher:
- Desinfektion: Eine mechanische Vorreinigung zum Entfernen von Algen und Substratresten ist zwingend notwendig. Danach sind neben den zugelassenen chemischen Mitteln zur Desinfektion von Kulturgefäßen die Heißwasser- oder Saunamethode einsetzbar. Bei tiefgezogenen Platten darf zur Sicherheit eine Temperatur von 70 °C an keiner Stelle überschritten werden. Eine Verweildauer im Wasser von 30 min reicht oftmals aus. Alternativ kann bei circa 65 °C auch über 3 Stunden behandelt werden. Bei der „Saunamethode“ wird in einer gesättigten Dampfatmosphäre von circa 70 °C über drei bis vier Stunden behandelt.
Wichtig ist bei beiden Verfahren eine gute Umwälzung zur gleichmäßigen Temperaturverteilung. Bei Ausfällen sollte vorher zur Sicherheit der Schaderreger bestimmt worden sein, um die richtige Desinfektionsmethode zu wählen.
- Lagerung: Dazu sollten die Platten vorher mechanisch von Pflanzen- und Substratresten gereinigt worden sein. Dann sollten die gestapelten Platten idealerweise seitlich auf der Kante liegen. Ansonsten können durch das enorme Gewicht von weit über 100 kg eines senkrechten Plattenstapels bei den unteren Platten die Stapelnocken eingedrückt werden. Die Platten sind dann nur noch sehr schwierig zu entstapeln.
Zur Vermeidung von Schäden durch Hitze und UV-Strahlung sollten Kunststoffplatten immer vor Sonne geschützt aufbewahrt werden. Bei sehr tiefen Temperaturen sind die Kunststoffplatten bruchempfindlich, unter 5 °C sind sie daher sehr vorsichtig zu verarbeiten.
- Anheben: Vor allem bei eingewurzelten Pflanzenbeständen müssen die Platten gleichmäßig angehoben werden. Keinesfalls sollte man sie nur an einer Seite hochziehen. Falls möglich, kann ein Unterschneiden der Platten das Problem lösen.
Fazit
Durch die Mechanisierung von Arbeitsschritten sowie veränderte Kulturverfahren kann ein abgestimmtes System von Platten für Anzucht und Weiterkultur die Pflanzenproduktion weiter straffen. Mit einer Zwischenkultur in modernen Kulturplatten mit einer Zellgröße bis zu 10 cm können Arbeitsschritte jahreszeitlich verlagert und eine höhere Arbeits- und Flächenproduktivität erreicht werden.
Arbeitswirtschaftliche Aspekte bei der Pflanzenproduktion in Kunststoffplatten werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.
Bernhard Aichele, Aalen
Bild: Werkbild
c) DEGA online 8. Juni 2005 www.dega.de